Chemie-Nobelpreis an Charpentier und Doudna für Genschere

Der Nobelpreis für Chemie 2020 geht an die beiden Biochemikerinnen Emmanuelle Charpentier (Frankreich) und Jennifer A. Doudna (USA). Wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften heute, Mittwoch, in Stockholm bekannt gab, erhalten sie die heuer mit zehn Millionen Schwedischen Kronen (rund 950.000 Euro) dotierte Auszeichnung „für die Entwicklung einer Methode zur Bearbeitung des Genoms“ - konkret die Genschere CRISPR/Cas9.

Im vergangenen Jahr teilten sich John Goodenough (USA), Stanley Whittingham (Großbritannien) und Akira Yoshino (Japan) den Chemie-Nobelpreis. Sie wurden für die Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien ausgezeichnet. Übergeben wird der Preis alljährlich am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.

Als „Werkzeug, um den Code des Lebens neu zu schreiben“ beschrieb das Nobelkomitee die Genschere. Mit ihr könnten Forscher die DNA von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen mit höchster Präzision verändern. „Diese Technologie hat einen revolutionären Einfluss auf die Biowissenschaften gehabt, sie trägt zu neuen Krebstherapien bei und könnte den Traum von der Heilung von Erbkrankheiten wahr werden lassen.“

„In diesem genetischen Werkzeug steckt eine enorme Kraft, die uns alle betrifft. Es hat nicht nur die Grundlagenwissenschaft revolutioniert, sondern hat auch zu innovativen Nutzpflanzen geführt und wird zu bahnbrechenden neuen medizinischen Behandlungen führen“, erklärte Claes Gustafsson, Vorsitzender des Nobelkomitees für Chemie.

Charpentier, Direktorin am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, arbeitete von 2002 bis 2009 an der Uni Wien bzw. den Max F. Perutz Laboratories (MFPL) der Uni Wien und der Medizinischen Universität Wien, wo sie einen relevanten Teil der Entwicklungsarbeit für die Genschere durchführte. Die Forscherin meinte einmal, sie habe einen „Heureka-Moment“ in Wien gehabt, wie die Genschere funktioniert. Unter anderem mangels Karriereperspektiven in Wien wechselte sie aber 2009 an die Universität Umea (Schweden). 2012 veröffentlichte sie mit Doudna, die an der University of California in Berkeley (USA) arbeitet, die Anleitung für den Schneidemechanismus im Fachjournal „Science“.

Seither sei der Gebrauch „eines der schärfsten Werkzeuge der Gentechnologie“, so das Nobelkomitee, explodiert. Es habe zu vielen wichtigen Entdeckungen in der Grundlagenforschung beigetragen, Forscher seien in der Lage, Nutzpflanzen zu entwickeln, die Schimmel, Schädlingen und Dürre widerstehen. In der Medizin würden klinische Versuche mit neuen Krebstherapien laufen, und der Traum, Erbkrankheiten heilen zu können, stehe kurz vor seiner Erfüllung. „Diese genetische Schere hat die Biowissenschaften in eine neue Epoche geführt und bringt in vielerlei Hinsicht den größten Nutzen für die Menschheit“, betonte man in Stockholm.


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