Wiener Autorin Lida Winiewicz 92-jährig gestorben

Die österreichische Schriftstellerin Lida Winiewicz ist tot. Sie starb in der Nacht zum heutigen Mittwoch in ihrer Wiener Wohnung, wie ihre Agentin Eva Feitzinger gegenüber der APA bestätigte. Bekannt wurde die gebürtige Wienerin vor allem als Autorin zahlreicher Fernsehspiele und -serien. Winiewicz verfasste auch die deutsche Fassung des Librettos zu Alan Parsons und Eric Woolfsons Psycho-Musical „Freudiana“, das 1990 im Theater an der Wien uraufgeführt wurde.

Erst vergangenen Sommer ist mit „Späte Gegend. Protokoll eines Lebens“ ihr letztes Buch im Braumüller Verlag erschienen. Darin schilderte sie die Lebensgeschichte einer 80-jährigen Bäuerin aus dem Mühlviertel, erzählte vom ruralen Alltag und seinen Gepflogenheiten.

Geboren wurde Lida Winiewicz am 17. März 1928 in Wien. Nach Absolvierung eines Gesangsstudiums an der Hochschule für Musik studierte sie Englisch, Französisch und Italienisch. Im Anschluss daran war sie jahrelang als Übersetzerin literarischer Werke (Marivaux, Colette, Graham Greene u.a.) tätig.

Im Jahr 1960 gewann Winiewicz mit dem Drama „Das Leben meines Bruders“ den ersten Preis des Stückewettbewerbs des „Theaters der Courage“. Zu ihren seither entstandenen Stücken zählen „Die Flucht“, „Die Wohnung“, „Späte Gegend“ (die Bühnenfassung ihrer erfolgreichen Erzählung), „Miami Murder Show“ oder „Time out“. 2008 wurde im Wiener Stadttheater Walfischgasse das Zwei-Personen-Stück „Paradiso“ uraufgeführt. Dazu kommen Liedtexte und Libretti für Musicals und musikalische Revuen.

Zu ihren letzten Büchern zählen „Geisterbahn - Eine Wiener Weltreise“ (2008), eine Sammlung von Geschichten und Erlebnissen als Fahrgast der Wiener Linien, sowie „Die Kinder gehen in die Oper“ (2007). In dem Roman beschreibt sie eine Jugend im nationalsozialistischen Wien, erzählt aus der Sicht zweier Kinder mit jüdischer Verwandtschaft. Mit dem autobiografischen Roman „Der verlorene Ton“ (2016) widmete sie sich der Kindheit und Jugend eines „jüdisch versippten“ Mädchens. 2019 erschien ihre autobiografische Rückschau „Achterbahn. Vom Schreiben leben“.

Winiewicz schrieb zahlreiche Drehbücher zu TV-Serien und Fernsehspielen wie „Der Fall Bohr“ (1965) mit Ernst Deutsch und Helmut Qualtinger, „Blaue Blüten“ (1970) mit Walter Schmidinger, „Die Orgel“ (1984) mit Hans Christian Blech, „Augenblicke“ mit Paula Wessely, „Diener und andere Herren“ mit Heinz Rühmann, „Damenwahl“ mit Ernst Schröder oder für das Remake von „Hofrat Geiger“ (1996) mit Peter Weck und Christiane Hörbiger.

Für ihr Buch zur erfolgreichen Serie „Elternschule“ erhielt Winiewicz den Preis der österreichischen Volksbildung. Zu ihren weiteren Auszeichnungen zählen u.a. der Adolf-Grimme-Preis (1976), die Romy (1990) das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien (2009) sowie 2017 den Preis der Stadt Wien.

Die Kultursprecherin der Grünen, Eva Blimlinger, würdigte Winiewicz. „Mit Lida Winiewicz verliert Österreich eine vielseitige und großartige Künstlerin - vom Gesang bis zur Übersetzung von Graham Green, vom Libretti bis zur TV-Serie - sie konnte wirklich alles“, wurde Blimlinger zitiert.


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