Wien-Wahl: Strache teilte zum Finale noch einmal aus

Mit einem Open-Air-Event am Favoritner Viktor-Adler-Markt hat das Team Strache am Mittwoch als erste Partei den Wien-Wahlkampf offiziell beendet. Heinz-Christian Strache teilte dabei einmal mehr kräftig gegen die Konkurrenz aus, geißelte den „Corona-Irrsinn“ und erinnerte in seiner 45-minütigen Rede auch an Jörg Haider. Für den Wahlsonntag wünscht er sich ein „politisches Erdbeben“.

Geladen hatte das Team Strache zu einem „Fest der Freiheit“, zu dem geschätzte 300 Anhänger - unterschiedlich diszipliniert in Sachen Masken- und Abstandsregeln - gekommen waren. Nach Unterhaltungsmusik und einleitenden Worten von Parteisekretär Christian Höbart dauerte es nicht lange, bis Stargast und Spitzenkandidat Strache nach Begrüßung seiner „lieben Freunde“ inhaltlich bei den Corona-Maßnahmen der Regierung angekommen war. „SOS Demokratie“ wetterte er gegen die von ihm geortete Beschneidung von Grund-, Bürger- und Freiheitsrechten: „Schluss mit dem Corona-Irrsinn.“

Dieser schade nämlich nicht zuletzt der Wirtschaft. „Jesus hat Armut gepredigt, Kurz verwirklicht sie“, griff er den Bundeskanzler an, wobei auch Gesundheitsminister „Angstschober“ nicht von den verbalen Attacken des - vormals blauen - Ex-Vizekanzlers unbedacht blieb. Bei der Maskenpflicht gehe die Regierung etwa viel zu undifferenziert vor: „Da kriegt ‚Fetzenschädel‘ eine ganz neue Bedeutung.“

Auch in Bezug auf seine direkten Konkurrenten bei der Wien-Wahl kalauerte Strache von der Bühne Richtung Publikum, das immer wieder „HC“ skandierte. Wenn man Vorgänger Michael Häupl mit einem weißen Spritzer gleichsetze, sei der jetzige Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) nur „ein stilles abgestandenes Wasser“. Denn er lasse seine grüne „Vizebademeisterin“ Birgit Hebein schalten und walten, wie sie wolle, spottete Strache in Anlehnung an den sommerlichen Gürtelpool.

ÖVP-Listenerster, Finanzminister Gernot Blümel, sei wiederum „so steif wie ein Zinnsoldat“ - ohne Leidenschaft und Herz. NEOS-Spitzenkandidat Christoph Wiederkehr sei zwar „ein lieber Bua“, habe aber die Grünen gesellschaftspolitisch links sogar überholt.

Angriffig zeigte sich Strache freilich auch gegen seine Ex-Partei, die FPÖ. „Nepp hat den Verrat gelebt“, und nun plappere dieser ihm - Stichwort Ausländerpolitik, die heute übrigens vergleichsweise wenig im Fokus stand - alles nach, zürnte er dem Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp, der Strache nach dessen Parteiausschluss infolge der Ibiza-Affäre im Rathaus nachgefolgt war. Apropos Ibiza: Hier erklärte der Ex-Vizekanzler einmal mehr, dass es sich dabei um ein „politisches Attentat“ und einen „Vernichtungsfeldzug“ gegen ihn gehandelt habe: „Ich bin zu Boden gegangen, aber ich bin wieder aufgestanden.“

In dem Zusammenhang ließ Strache gegen Ende seiner Rede aufhorchen, als er an den 2008 im Auto verunglückten früheren FPÖ-Chef und Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider erinnerte. „Am 11. Oktober (dem Datum der anstehenden Wien-Wahl, Anm.) jährt sich zum zwölften Mal der Todestag von Jörg Haider.“ Dieser habe sich gegen all die Anfeindungen und „Anpatzungen“ danach nicht mehr zur Wehr setzen können. „Mein Vorteil ist: Ich lebe und ich kann mich wehren“, prophezeite Strache ein „politisches Erdbeben“ in Form seines Comebacks und wünschte sich - bevor zu guter Letzt der Wahlkampfsong „HC is back“ aus der Konserve ertönte und ein paar Konfettikanonen abgefeuert wurden - ein zweistelliges Ergebnis. Umfragen sehen das Team Strache konstant im mittleren einstelligen Bereich, womit die neue Partei zittern muss, ob sie die nötige Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug in das Stadtparlament überhaupt nehmen wird können.

Das Team Strache war die erste der sechs im Landtag und Gemeinderat vertretenen Parteien, die ihren Wahlkampfabschluss über die Bühne gebracht hat. Am Freitag folgen Grüne, ÖVP und FPÖ. Die NEOS setzen ihren Schlusspunkt erst am Samstag. Allein die SPÖ verzichtet diesmal corona-bedingt gänzlich auf ein offizielles Final-Event.


Kommentieren


Schlagworte