Erneut nächtliche Raketenangriffe auf Stepanakert

Die Hauptstadt der von Armeniern bewohnten, von Armenien kontrollierten, aber zu Aserbaidschan gehörenden Region Berg-Karabach ist in der Nacht auf Donnerstag erneut Ziel zahlreicher, aserbaidschanischer Raketenangriffe gewesen. Die ganze Nacht über ertönten in Stepanakert in regelmäßigen Abständen Alarmsirenen, gefolgt von Explosionen. Die Zahl der Opfer und das Schadensausmaß waren zunächst unklar. Wie in der Nacht zuvor schlugen die Salven fast stündlich ein.

Welche Waffentypen von den aserbaidschanischen Truppen eingesetzt werden, ist nicht eindeutig zu sagen. Nach Angaben örtlicher Behörden werden Wohngebiete mit 300-Millimeter-Raketen vom Typ Smertsch angegriffen, einem Nachfolgemodell der Katjuscha-Mehrfachraketenwerfer. Nicht explodierte Exemplare dieses Typs sind in der Stadt zu finden. Wohngebäude wurden durch die Angriffe komplett zerstört, die Krater sind teilweise zehn Meter groß. Vor allem tagsüber überfliegen regelmäßig Drohnen die Stadt, teilweise gefolgt von gezielten Angriffen.

Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium warf am Donnerstag in der Früh den armenischen Kämpfern vor, in der Nacht und am Morgen von Zivilisten bewohnte Gebiete auch im Kernland Aserbaidschans angegriffen zu haben. Betroffen gewesen seien Gebiete in Barda, Agcabadi, Goranboy, Tartar und Agdam. Es gebe Tote und Verletzte, erklärte das Ministerium.

Die ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan liefern sich bereits seit Jahrzehnten einen erbitterten Konflikt um die Region im Südkaukasus. Vor eineinhalb Wochen waren die Kämpfe neu entbrannt. Die selbst proklamierte „Republik Arzach“ (früher: „Republik Berg-Karabach“) wird international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans. Armenien kontrolliert nicht nur Berg-Karabach, sondern hält auch mehrere umliegende aserbaidschanische Bezirke bis heute besetzt. So besteht eine Landverbindung zwischen Armenien und Berg-Karabach.

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