Erneut nächtliche Raketenangriffe auf Stepanakert

Stepanakert ist in der Nacht auf Donnerstag erneut Ziel zahlreicher aserbaidschanischer Raketenangriffe gewesen. Die ganze Nacht über ertönten in der Hauptstadt der von Armeniern bewohnten, von Armenien kontrollierten, aber zu Aserbaidschan gehörenden Region Berg-Karabach in regelmäßigen Abständen Alarmsirenen, gefolgt von drei bis vier Explosionen. Die Zahl der Opfer und das Schadensausmaß waren zunächst unklar. Wie in der Nacht zuvor schlugen die Salven fast stündlich ein.

Welche Waffentypen von den aserbaidschanischen Truppen eingesetzt wurden, ist unklar. Nach Angaben örtlicher Behörden wurden Wohngebiete mit 300-Millimeter-Raketen vom Typ Smertsch angegriffen, einem Nachfolgemodell der Katjuscha-Mehrfachraketenwerfer. Nicht explodierte Exemplare dieses Typs sind in der Stadt zu finden. Wohngebäude wurden durch die Angriffe komplett zerstört, die Krater sind teilweise zehn Meter groß. Vor allem tagsüber überfliegen regelmäßig Drohnen die Stadt, teilweise gefolgt von gezielten Angriffen.

Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium warf den armenischen Kämpfern unterdessen vor, in der Nacht und in der Früh von Zivilisten bewohnte Gebiete auch im Kernland Aserbaidschans angegriffen zu haben. Betroffen gewesen seien Gebiete in Barda, Agcabadi, Goranboy, Tartar und Agdam. Es gebe Tote und Verletzte, erklärte das Ministerium.

Nach Anagaben von syrischen Aktivisten rekrutiert die Türkei Rebellen aus dem Bürgerkriegsland für den Einsatz im Konfliktgebiet. Die Männer ließen sich aus finanziellen Gründen anheuern, berichtete ein Aktivist aus einem von Regierungsgegnern kontrollierten Gebiet des Landes, der aus Sicherheitsgründen ungenannt bleiben will. Es seien vor allem „verzweifelte Kämpfer“. Sie bekämen von der Türkei für den Einsatz zwischen 1.500 bis 2.000 US-Dollar (etwa 1.300 bis 1.700 Euro) im Monat, sagte ein anderer Aktivist. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Die Türkei steht in der Konfliktregion im Südkaukasus an der Seite Aserbaidschans. Ankara dementierte die Angaben. „Wir weisen die Behauptung kategorisch zurück“, sagte ein hoher Regierungsvertreter.

Die ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan liefern sich bereits seit Jahrzehnten einen erbitterten Konflikt um die Region im Südkaukasus. Vor eineinhalb Wochen waren die Kämpfe erneut entbrannt. Die selbst proklamierte „Republik Arzach“ (früher: „Republik Berg-Karabach“) wird international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans. Armenien kontrolliert nicht nur Berg-Karabach, sondern hält auch mehrere umliegende aserbaidschanische Bezirke bis heute besetzt. So besteht etwa eine Landverbindung zwischen Armenien und Berg-Karabach.


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