Vereinahmte Volkslieder: „Quellmalz" im Auftrag der SS auf Südtirol-Expedition

Der deutsche Musikwissenschafter Alfred Quellmalz wird 1940 von der SS auf Expedition nach Südtirol geschickt; mit seinem Magnetofon dokumentiert er heimische Bräuche.
© APA/Schneider

Innsbruck – Der klingende Name Quellmalz und die Sammlung Quellmalz sind südlich des Brenners vielen ein Begriff: Dr. Alfred Quellmalz dokumentierte zur Zeit der Option rund um das Jahr 1940 mit seinem Magnetofon Südtiroler Volkslieder und Bräuche. Dass er das im Auftrag von SS-Chef Heinrich Himmler als Erforschung des „volksdeutschen Ahnenerbes“ auf der Suche nach dem so genannten „Urdeutschen“ tat, ist dagegen weniger bekannt.

Die Dokumentation „Quellmalz“ von Mike Ramsauer widmet sich nun auch der braunen Ideologie hinter der Liedersammlung des NS-Musikwissenschafters. Dabei geht es auch um die komplexen Zusammenhänge der Optionsabstimmung, die den Hintergrund für die „Südtirol-Expedition“ bildete.

🎞 Trailer | „Quellmalz“

Die Person Quellmalz mit ihrer Vereinnahmung der Volkslieder bildet den Ausgangspunkt des Films für Regisseur Mike Ramsauer: „Alfred Quellmalz war ja schon vor der NS-Zeit Musikwissenschafter. Durch den Nationalsozialismus hat er Karriere machen können. Für ihn war das eine Weggabelung, er hätte sich eigentlich mit dem Nationalsozialismus nicht so verbandeln müssen. Nach dem Krieg dann hat Quellmalz in dieser Sammlung auch einen Wert für sich selber gesehen. Und in Südtirol war das genau die Zeit der Bombenjahre, als diese Südtiroler Identität total wichtig war. Da waren Quellmalz und seine Tonbandaufnahmen plötzlich sehr gefragt.“

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Geschickt lässt der Film Alfred Quellmalz selbst zu Wort kommen, mit Briefzitaten aus dem Nachlass und dem reichhaltigen Ton- und Bild-Material von damals. Darin präsentiert sich der nach einer kurzen Entnazifizierungspause hochdekorierte Doktor Quellmalz als opportunistischer Mitläufer des Naziregimes, der in Südtirol fernab der Weltkriegs-Front arische Musikethnologie betreibt.

Die Filmdoku bildet damit einen wertvollen Baustein für eine kritische Auseinandersetzung mit Alfred Quellmalz und seiner Sammlung, die in Südtirol eine wichtige Basis der Brauchtumspflege ist. Den Bogen ins Heute spannt der Film auch mit noch lebenden Sängern und Musikanten von damals, die zu Wort kommen und ihren historischen Fotos gegenübergestellt werden. „Quellmalz“ ist eine spannende Zeitreise in eine allzu gerne vereinfachte Epoche der Südtiroler Geschichte. (maw)


Kommentieren


Schlagworte