Digital und extralang: „Lange Nacht der Forschung“ online

Ganz so authentisch wie eine Führung durch ein Labor, das persönliche Gespräch mit einem Forscher oder die Chance, selbst ein Experiment durchzuführen, sind Webinare, Erklärvideos und Videokonferenzen nicht. Aber in Corona-Zeiten ist vieles nicht möglich - auch nicht eine klassische „Lange Nacht der Forschung“. Die läuft daher seit Freitagnachmittag digital, mit dem Vorteil, etwa einmal das Kernforschungszentrum CERN mit hochgelagerten Füßen auf der Couch zu besuchen.

„Warum tun wir uns so schwer mit Veränderungen“, fragte der Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS) Martin Kocher in seinem Online-Vortrag zum Thema „Angst vor Algorithmen? Verhaltensökonomische Aspekte der Digitalisierung“. Seine Frage könnte als Motto für die digitale „Lange Nacht der Forschung“ stehen. Denn der große Reiz der alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltung lag bisher in der Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen der Wissenschaft zu machen, Laborluft zu schnuppern und mit Forschern ins Gespräch zu kommen.

2018 nutzten immerhin 230.000 Besucher diese Chance, als rund 6.000 Wissenschafter an 2.600 Stationen Einblick in ihre Arbeit gaben. Auch in diesem Jahr sollte das Anfang Mai wieder möglich sein, doch der Lockdown führte zur Verschiebung auf den Herbst. Weil so große Publikumsveranstaltungen weiterhin nicht möglich sind, entschlossen sich die Organisatoren - das Wissenschafts-, das Klimaschutz- und das Wirtschaftsministerium - zu einer digitalen Version.

Rund 150 Ausstellerorganisationen haben dafür rund 620 virtuelle Stationen eingerichtet. In Webinaren, Live-Streams, Erklärvideos, Kurzinterviews Live-Experimente, Online-Rätseln, usw. ermöglichten sie Zugang zu ihrem Fachgebiet, ihren Arbeiten, Fragen und Lösungen.

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zur Verfügung.

Und der digitale Zugang verschafft dort Zutritt, wo üblicherweise nur ganz wenige Menschen hinkommen, etwa zum Experiment CMS am europäischen Kernforschungszentrum CERN. Das 20 Meter hohe, 14.000 Tonne schwere Gerät kann kleinste Teilchen im Bruchteil einer Sekunde erfassen, die beim Zusammenstoß von Partikel entstehen, die im Teiclhenbeschleuniger LHC nahezu auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden.

Wer die analoge Form bevorzugt, kann sich auf das Frühjahr 2021 freuen: Da ist die nächste „Lange Nacht der Forschung“ wieder als Präsenzveranstaltung geplant.


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