Armenien und Aserbaidschan vereinbaren Waffenruhe

Armenien und Aserbaidschan haben sich knapp zwei Wochen nach dem Wiederaufflammen der Kämpfe um die Kaukasusregion Berg-Karabach auf eine Waffenruhe ab Samstagmittag geeinigt. Noch Samstag früh gab es allerdings von beiden Seiten Berichte über anhaltende Kämpfe. Die Regierungen der beiden Konfliktparteien warfen einander vor, Samstag früh von Zivilisten besiedelte Gebiete beschossen zu haben.

Wie lange die Waffenruhe gelten soll, war zunächst unklar. „Die spezifischen Bedingungen der Waffenruhe müssen noch vereinbart werden“, erklärte Russlands Außenminister Sergej Lawrow nach den zehnstündigen Gesprächen mit seinen Amtskollegen aus Armenien und Aserbaidschan. Beide Seiten hätten aber eingewilligt, substanzielle Friedensgespräche aufzunehmen.

Nach der Vereinbarung sollen auch Gefangene ausgetauscht und die Leichen von bei den Kämpfen getöteten Menschen übergeben werden. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz werde bei der Umsetzung der Waffenruhe helfen, sagte Lawrow. Die Friedensgespräche würden unter der Schirmherrschaft der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) stattfinden.

Außenminister Schallenberg begrüßt die Einigung als „ersten wichtigen Schritt, vor allem für die Not leidende Zivilbevölkerung“. Weitere vertrauensbildende Maßnahmen wie der Austausch von gefangenen und gefallenen Soldaten müssten folgen, forderte er gegenüber der APA. „Vor allem aber brauchen wir eine Abkehr von der Logik des Schlachtfelds hin zur Logik des Dialogs,“ appellierte der Außenminister. Um die Situation nachhaltig zu stabilisieren, fordert er die rasche Aufnahme der vereinbarten Gespräche.

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In Berg-Karabach im Südkaukasus leben überwiegend christliche Armenier. Völkerrechtlich gehört das Gebiet aber zum mehrheitlich islamischen Aserbaidschan, von dem es sich jedoch 1991 losgesagt hatte. In den Ende September ausgebrochenen Kämpfen sollen Hunderte Menschen ums Leben gekommen sein. Da Armenien mit Russland verbündet ist und Aserbaidschan von der Türkei unterstützt wird, drohte eine Ausweitung des Konflikts über die Region hinaus mit weitreichenden Folgen auch für die Wirtschaft. Durch den Südkaukasus laufen wichtige Erdgas- und Öl-Pipelines.

Die gegenwärtigen Kämpfe sind die schwersten seit dem Krieg 1991 bis 1994, in dem rund 30.000 Menschen getötet wurden. Der Krieg endete seinerzeit mit einem Waffenstillstand, der allerdings wiederholt verletzt wurde.


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