Wien wählt ein neues Stadtparlament

In Wien haben seit 7.00 Uhr die knapp 1.500 Wahllokale ihre Pforten geöffnet. Insgesamt rund 1,36 Mio. Wienerinnen und Wiener sind aufgerufen, einen neuen Gemeinderat bzw. Landtag sowie die Bezirksvertretungen zu wählen. Wegen der Coronavirus-Pandemie sind umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen nötig. Gewählt werden kann bis 17.00 Uhr. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) wählte in einer Floridsdorfer Schule. Dort sagte er, er glaube nicht an eine rote Absolute bei der Wien-Wahl.

„Das ist nicht in Griffweite“, meinte der Landesparteivorsitzende am Sonntagvormittag. Ludwig gab als einziger Spitzenkandidat am Wahlsonntag seine Stimme direkt im Wahllokal ab. Die Listenersten der Konkurrenz hatten dies schon vor Tagen per Briefwahl erledigt. „Ich bin das so gewohnt. Das ist ein schöner demokratischer Akt“, sagte der Bürgermeister, der kurz nach 9.30 Uhr mit seiner Frau Irmtraud Rossgatterer erschienen war. Er wolle außerdem signalisieren, dass man trotz Coronavirus-Pandemie sicher wählen gehen könne. Ludwig appellierte an die Wienerinnen und Wiener, dies doch bitte heute auch noch zu tun.

Was künftige Koalitionen anbelangt, gab sich Ludwig auch am Wahltag nicht auskunftsfreudiger als bisher. Man werde sehen, was sich rechnerisch ausgehe und wo es inhaltliche Schnittmengen gebe. Reden wolle er nach dem Urnengang jedenfalls einmal mit allen Parteien.

Viele Stadtbewohner haben bereits abgestimmt. Erwartungsgemäß wurden so viele Wahlkarten wie noch nie bei einer Wien-Wahl, nämlich exakt 382.214, ausgegeben. Das bedeutet laut den Hochrechnern, dass rund 40 Prozent der Stimmen per Briefwahl abgegeben werden - und nur 60 Prozent am Sonntag in den Wahllokalen. Tatsächlich hat sowohl die Stadt als auch so mancher Spitzenkandidat empfohlen, auf einen Besuch im Wahllokal zu verzichten. Jene, die heute doch dort erscheinen, müssen eine Reihe von Schutzmaßnahmen beachten.

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So sind Abstandsregeln einzuhalten, auch der Mund-Nasenschutz ist zu tragen - wobei dieser für die Identifikation hinter einem Plexiglasparavent kurz abgenommen werden muss. Auch das Mitbringen eines eigenen Kugelschreibers wird empfohlen. Ordner sollen für einen geregelten Ablauf des Urnengangs sorgen. Das Virus hat auch den Parteien einen Strich durch die Rechnung gemacht: Sämtliche Wahlfeiern wurden abgesagt.

Laut jüngsten Umfragen dürften die Regierungsparteien SPÖ und Grüne zulegen, wobei die Sozialdemokraten über die 40-Prozent-Marke kommen könnten. 2015 waren es knapp weniger, nämlich 39, 6 Prozent gewesen. Die Grünen lagen bei 11,8 Prozent.

Der FPÖ werden hingegen starke Verluste prophezeit. Von ihrem vor fünf Jahren erzielten Rekordstand - damals durften sie sich über einen Stimmenanteil von 30,8 Prozent freuen - sind sie weit entfernt. Viel günstiger sehen die Prognosen für die ÖVP aus, die nach dem historischen Tiefpunkt von 2015 (9,2 Prozent) auf den zweiten Platz vorstoßen könnte.

Die NEOS müssen laut den Umfragen nicht fürchten, nicht mehr im Gemeinderat vertreten zu sein, sondern dürfen auf ein kleines Plus zu den 6,2 Prozent bei ihrer ersten Wiener Wahl hoffen. Mit Spannung wird auch das Abschneiden von Heinz-Christian Strache erwartet. Der ehemalige, nach dem Ibiza-Video abgetretene FPÖ-Chef geht mit einer eigenen Liste ins Rennen, der ein Einzug in den Landtag durchaus zugetraut wird. Die Fünf-Prozent-Hürde muss dafür genommen werden.

Die Wahllokale schließen um 17.00 Uhr. Erste Hochrechnungen werden für etwa 18.00 Uhr erwartet. Das vorläufige Gesamtergebnis (der Gemeinderatswahl) sollte zwischen 20 und 21 Uhr vorliegen. Wie viel dann schon fix ist, ist offen: Angesichts des Rekordstands bei den Wahlkarten - die vielleicht erst am Dienstag alle ausgezählt sein werden - könnte sich das Ergebnis noch deutlich ändern.


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