Situation in Moria für Caritas nach wie vor „katastrophal“

Einen Monat nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist die Lage nach Angaben der Caritas „nach wie vor katastrophal“. Vertreter der Hilfsorganisation reisten am Sonntag nach Griechenland, um sich ein Bild von der Lage zu machen. An einer Evakuierung von besonders verletzlichen Menschen - von Familien und Kindern, kranken und pflegebedürftigen Menschen - führe „kein Weg vorbei“, so Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner.

Vnn einer Entspannung der Lage könne derzeit noch keine Rede sein, erklärte die Caritas-Katastrophenhelferin Daniela Pamminger. „Zwar wurden zuletzt Hunderte Menschen, die bereits Asyl erhalten haben sowie weitere vulnerable Personen aufs griechische Festland gebracht. Doch die hygienischen Zustände in den Camps sind - wie die jüngsten Regenfälle auf Lesbos gerade vor Augen geführt haben - vielerorts nach wie vor ein Desaster, die Lager sind auf den bevorstehenden Winter völlig ungenügend vorbereitet“. Die Zahl der Corona-Infektionen sei weiterhin hoch und auch das neue Lager auf Lesbos, Kara Tepe, sei als dauerhafte Lösung nicht geeignet: „Die Zelte sind nicht winterfest, es gibt bisher keine Duschen und kaum Privatsphäre“, so Pamminger.

Unterdessen ist nach einer dreiwöchigen Pause die süditalienische Insel Lampedusa wieder mit einer neuen Migrationswelle konfrontiert. Am Sonntag trafen 20 Boote mit insgesamt 353 Tunesiern auf Lampedusa ein. Am Samstag hatten bereits 15 Boote mit 433 Migranten an Bord die Insel zwischen Tunesien und Sizilien erreicht, berichteten die lokalen Behörden.

308 Migranten, die seit Samstag auf Lampedusa eingetroffen sind, gingen an Bord des Quarantäneschiffes „Snav Adriatico“, auf dem sie zwei Wochen bleiben müssen. Acht Personen wurden positiv auf Covid-19 getestet. Zur Unterbringung der anderen Migranten wird ein zweites Quarantäneschiff im Hafen von Lampedusa erwartet.

Auch in der süditalienischen Region Kalabrien kamen Migranten an. Sieben Migrantenboote landeten in den vergangenen acht Tagen in der Region. Am Sonntag erreichten 57 iranische und irakische Bürger den Hafen der Ortschaft Roccella Jonica. Auf Sardinien landeten am Samstag 27 Migranten, am Sonntag waren es 20.

Lega-Chef Matteo Salvini sprach von einem „Scheitern“ der Migrationspolitik der Regierung in Rom. Er kritisierte, dass sich die Zahl der Migrantenankünfte 2020 gegenüber dem Vorjahr, als die Lega noch in der Regierung in Rom saß, verdreifacht habe. 24.550 Migranten sind nach Seefahrten über das Mittelmeer seit Anfang 2020 in Italien eingetroffen, teilte das italienische Innenministerium mit. Im Vergleichszeitraum 2019 waren es 7.939.


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