In der FPÖ rumort es: „Können nicht wie bisher weitermachen“

In der FPÖ rumort es wegen des Absturzes in Wien. Nicht Strache allein habe diesen verschuldet. Es gibt auch Kritik an Klubobmann Kickl.

Von manchen in der FPÖ wird Parteivize und Klubchef Herbert Kickl Mitschuld an den Misserfolgen bescheinigt.
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Von Karin Leitner

Wien – 23 Prozentpunkte hat die FPÖ bei der Wien-Wahl verloren. Es ist der Höhepunkt einer Niederlagen-Serie, seit das Ibiza-Video mit Hauptdarsteller Heinz-Christian Strache im Mai 2019 publik geworden ist. Die offizielle Erklärung für den immer tieferen Sturz: Straches Ibiza- und Spesen-Affäre. Der Wiener Spitzenkandidat Dominik Nepp hat das auch angeführt. Inoffiziell heißt es: Die Verluste nur auf das Verhalten des vormaligen Parteichefs zurückzuführen, greife zu kurz. Das Problem sitze tiefer.

Von manchen wird Parteivize und Klubchef Herbert Kickl Mitschuld an den Misserfolgen bescheinigt. Seine Brachialrhetorik, sein Polit-Stil hätten zu Haiders und Straches Zeit gewirkt, das sei nicht mehr der Fall. Mit dem „Vulgär-Jargon“ seien zehn Prozent der Wahlberechtigten für die FPÖ zu lukrieren, mehr nicht. Der Anspruch könne nicht dauerhafte Opposition sein. Und so müsse sich die Partei um „Bürgerliche“ bemühen, sich inhaltlich verbreitern. Auch weil sich die ÖVP auf das Asyl- und Flüchtlingsthema „gesetzt“ habe, damit punkte. Im Ton moderater, in der Sache hart.

In der nächsten Woche beraten die führenden Freiheitlichen, wie es weitergehen soll. Es wird heftige Debatten in der Präsidiumssitzung geben. „Wir werden in der Gesamtheit nicht wie bisher weitermachen können“, sagt der niederösterreichische FPÖ-Chef Udo Landbauer schon jetzt. Kickl befindet: „Nicht andere Parteien haben uns diesmal besiegt. Die FPÖ selbst hat dieses Geschäft für unsere Gegner erledigt.“

Ist Norbert Hofer als Bundesparteichef gescheitert? Manfred Haimbuchner, der Obmann der oberösterreichischen, nunmehr stärksten FPÖ-Landesgruppe, sagt: „Hofer ist nicht zur Wahl angetreten. An ihm werde ich nicht rütteln. Er wird unterstützt.“ Eines sei „aber klar. Es muss ein Weg der Seriosität sein, ein Weg, wo man Vertrauen zurückgewinnen kann.“

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Viel Zeit haben die Blauen nicht, um sich zu regenerieren. Im Herbst 2021 wird in Oberösterreich gewählt. FPÖ-Spitzenkandidat wird wieder Haimbuchner sein. Er ist im Land mit der ÖVP im Bund. 2015 legten er und die Seinen um 15,1 Prozentpunkte zu – auf 30,4 Prozent. Das erneut zu erreichen, wird schwierig. Und so nennt Haimbuchner, der auch Hofer-Vize ist, als Wahlziel: „20 Prozent plus.“


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