Hunger bleibt in über 50 Ländern ein großes Problem

In mehr als 50 Ländern bleibt der Hunger ein großes Problem. Davon liegen 36 Staaten in Afrika, wie aus dem am Montag in Berlin vorgestellten Welthunger-Index hervorgeht. Schlusslicht ist in diesem Jahr der Tschad. Hier wird die Situation als „sehr ernst“ bezeichnet. In die gleiche Kategorie stuft der Welthunger-Index die Lage in zehn weiteren Staaten ein: Osttimor, Madagaskar, Zentralafrikanische Republik, Burundi, die Komoren, Kongo, Somalia, Südsudan, Syrien und Jemen.

Der Index wird seit 2006 jährlich von der Welthungerhilfe mit Sitz in Bonn sowie der irischen Organisation Concern Worldwide auf Basis von Datenmaterial der Vereinten Nationen erstellt. Die Welt sei „nicht auf Kurs, um den Hunger bis 2030 zu besiegen“, sagte Welthungerhilfe-Präsidentin Marlehn Thieme im Interview der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Wir müssen unsere Anstrengungen deutlich erhöhen und in zentralen Bereichen wie dem Klimaschutz und auch der Handelspolitik gegensteuern.“ Dazu gehöre „ein Umdenken, wie wir unsere Nahrung produzieren und exportieren“.

Der Welthunger-Index zeige, dass sich die Situation in vielen Ländern zu langsam verbessere, „in manchen verschlechtert sie sich sogar“. Dabei könne die Studie die Folgen der Corona-Pandemie noch gar nicht abbilden, betonte Thieme. Die Überwindung von Hunger ist eines der 17 „nachhaltigen Entwicklungsziele“, auf die sich die UN-Mitgliedsstaaten 2015 verständigten.

Der Welthunger-Index soll Auskunft geben über den Anteil an Unterernährten, an Auszehrung und Wachstumsverzögerungen bei Kindern unter fünf Jahren sowie über deren Sterblichkeitsrate. Die Experten werteten in diesem Jahr Zahlen zu 132 Ländern aus, wobei sie für 107 einen Index-Wert berechnen konnten.

Neben Subsahara-Afrika ist Südasien von Ernährungsunsicherheit in besonderem Maß betroffen. Fortschritte beim Kampf gegen den Hunger bescheinigt der aktuelle Index dem Himalaya-Staat Nepal sowie den vier afrikanischen Ländern Kamerun, Angola, Äthiopien und Sierra Leone. Abermals verschlechtert hat sich dagegen die Situation in dem seit längerem von Krisen erschütterten Venezuela.

Im Vergleich zum Jahr 2000 ging der Index-Mittelwert für alle erfassten Länder von 28,2 auf 18,2 zurück. Weiterhin sind jedoch fast 690 Millionen Menschen unterernährt. Im Jahr 2018 starben 5,3 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag an den Folgen von Hunger.

Die Autoren der Studie fordern, wie Kathpress berichtete, eine Neuausrichtung des Ernährungssystems. Dazu gehörten Investitionen in kleinbäuerliche Betriebe und lokale Nahrungsmittelmärkte ebenso wie ein besserer Zugang zu sauberem Wasser und zu Sanitärversorgung. Zudem sprechen sich die Experten dafür aus, „Handelsungerechtigkeiten“ abzubauen und Unternehmen in der Nahrungsmittelbranche für die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltschutz entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette rechtlich haftbar zu machen.


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