Ischgl-Kommission sieht Fehleinschätzungen

Die Expertenkommission zur Untersuchung des Corona-Krisenmanagements Tirols in Sachen Ischgl und Co. hat bei der Präsentation ihres Berichts am Montag einerseits mit Kritik und andererseits mit Entlastung der Verantwortlichen im Bezirk Landeck und Land Tirol aufgewartet. Der Skibetrieb in Ischgl sei im März zu spät beendet worden. Druck von dritter Seite auf die Verantwortlichen wurde aber nicht erkannt. Geortet wurden Kommunikationsprobleme zwischen Bund und Land.

Das Zuwarten mit der Verordnung Beendigung des Skibetriebes in Ischgl bis zum 12. März aus „epidemiologischer Sicht“ falsch gewesen, sagte der Vorsitzende der Kommission, Ronald Rohrer, am Montag bei der Vorstellung des Berichts in Innsbruck. Entlastet wurde das Land Tirol bzw. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) in anderer Hinsicht: Sämtliche Entscheidungen der Verantwortlichen der zuständigen Bezirkshauptmannschaften und die jeweilige zeitliche Abfolge sowie die Vorgangsweise des Landeshauptmannes sei „aus eigenem Entschluss und ohne Druckausübung von dritter Seite erfolgt“.

Die Expertenkommission ortete bezüglich der chaotischen Ausreise aus dem Paznauntal am 13. März Kommunikationsprobleme zwischen Bund und Land. Die Ankündigung von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), dass das Paznauntal und St. Anton isoliert werden in einer Pressekonferenz um 14.00 Uhr, sei „überraschend und ohne Vorbereitung“ erfolgt.

Kurz habe Landeshauptmann Platter am Vormittag zwar darüber informiert, der Landeshauptmann habe dabei aber darauf verwiesen, dass den Stäben noch viel Arbeit bevor stünde, weil noch nicht alle Details klar seien, schilderte der Kommissionsvorsitzende Ronald Rohrer. Kurz selbst habe dann in seiner Befragung jedoch angegeben, dass er davon ausgegangen sei, dass die Stäbe die notwendigen Vorbereitungen getroffen hätten. Die Verantwortlichen der BH Landeck hätten aber sofort mitteilten müssen, dass die Ausreise der ausländischen Gäste über das gesamte Wochenende kontrolliert erfolgen könne.

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Zudem kritisierte Rohrer das Gesundheitsministerium. Dieses habe trotz frühem Wissen über die Ansteckungsgefahr den überarbeiteten Pandemieplan nicht veröffentlicht. Zudem wurde das veraltete Epidemiegesetz 1950 weder auf seine Anwendbarkeit in Tourismusgebieten geprüft, noch wurden rechtzeitig Schritte eingeleitet, das Gesetz den Gegebenheiten der heutigen Mobilität anzupassen.

Die auch medial viel diskutierten Presseaussendungen des Landes, in denen einerseits erklärt wurde, dass sich die isländischen Gäste im Flugzeug angesteckt hätten und, dass eine Übertragung des Virus auf die Gäste eher unwahrscheinlich sei, waren „unwahr und schlecht“, sagte Rohrer. Zumindest eine davon hätte auf einer Vermutung von einer isländischen Reisebetreuerin basiert. Es habe dadurch aber „keinen feststellbaren Einfluss auf die Arbeit der Behörden gegeben“, die Aussendungen seien von den Gästen und den Betrieben aber ernst genommen worden.

Landeshauptmann Platter reagierte einigermaßen erleichtert auf die Präsentation des Berichts der Expertenkommission zum Corona-Krisenmanagement des Landes. Aus heutiger Sicht seien zwar - „insbesondere am Beginn der Pandemie“ - auch fachliche Fehleinschätzungen getroffen worden, aber der Bericht zeige auch auf, dass „viele Dinge gut gelaufen sind“, erklärte Platter gegenüber der APA nach der „Manöverkritik“ über das Pandemie-Management.

Man werde aus den „Empfehlungen“ die richtigen Schlüsse für die Zukunft ziehen, kündigte Platter an. Die schwarz-grüne Landesregierung werde in ihrer Sitzung am Dienstag den Bericht und die Empfehlungen der Kommission diskutieren und „einen Grundsatzbeschluss fassen, dass die zuständigen Abteilungen unverzüglich mit der Umsetzung der Empfehlungen beginnen“.


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