„Die Satansweiber von Tittfield“ auf der Diametrale: Höllische Heldinnen

Mit Russ Meyers „Die Satansweiber von Tittfield“ starten heute die 2. Diametrale: Nachtvisionen.

Wenn Macho-Fantasien Machos zusetzen: Russ Meyers „Satansweiber von Tittfield“ (1965) zählt zu den Großwerken des Genrefilms.
© imago

Innsbruck – Der große Drehbuchautor William Goldman nannte den Regisseur Russ Meyer einmal „Amerikas einzigen wahrhaftigen Autoren-Filmer“ – und Frieda Grafe, die mit allen Wassern gewaschene Doyenne der deutschen Filmkritik, sprach von Meyer nicht ohne oberlehrerhafte Süffisanz als „Sexfilmemacher mit gutem Leumund“. Er selbst sah die Sache weniger gesittet: „Ich wäre vielleicht ein anständiger Regisseur geworden, hätte ich mich nicht nur für Busen interessiert“, soll er gesagt haben. Verbürgt ist ein anderes Zitat: „Zur Hölle mit der Kunst, runter mit den Blusen.“ Auf die Selbstvermarktung als Schmuddelfilmer verstand sich Russ Meyer auch noch, als die politische Sprengkraft seiner höllischen Kunst schon lange kein Geheimnis mehr war.

📽️ Video | Trailer zu „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“

Schon Meyers Filmtitel sind Programm: „Im tiefen Tal der Superhexen“, „Motorpsycho“, „Mondo Topless“ und – vor allem – „Die Satansweiber von Tittfield“, im Original: „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ Und die Filme halten, was vollmundig versprochen wird: Heldinnen mit abgrundtiefen Dekolletés, fleischgewordene Macho-Fantasien, die, ausgerechnet, Machos zusetzen – und Spießern die Hölle heißmachten. Vor allem „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ lässt sich auch als Pop-Art-gewordene Orgie rabiat-feministischer Gewaltumkehr genießen.

Mit der schnoddrig-schönen deutschen Synchronfassung des 1965 quasi ohne Budget gedrehten Krachers startet heute Abend die zweite Auflage der Reihe Diametrale: Nachtvisionen im Innsbrucker Leokino. Seit dem Vorjahr soll damit die ruhmreiche Kinotradition der Spätvorstellung wiederbelebt werden. Bis Samstag stehen unter dem Motto „Mad Grrrls“ drei weitere Genrefilme auf dem Programm, darunter mit Anna Billers „The Love Witch“ (2016) und Peter Stricklands „In Fabric“ (2019) zwei Tirol-Premieren. (jole)

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