Verluste im Bankhaus St. Gallen: Raiba Reutte schrumpft sich gesund

Die an sich positive 2019er-Bilanz der Raiffeisenbank Reutte wurde durch Verluste im Bankhaus St. Gallen ins Minus gedrückt.

Die Bilanzsumme der Raiba Reutte betrug 585 Millionen Euro im Jahr 2019. Das Ergebnis wurde durch Malversationen getrübt.
© Helmut Mittermayr

Von Helmut Mittermayr

Reutte, St. Gallen – Die Redimensionierung von einem internationalen Konzern zu einer Regionalbank – das war das Kernthema des Jahres 2019 für die Raiffeisenbank Reutte. Bei der Generalversammlung, die vor wenigen Tagen Corona-bedingt Monate später als gewöhnlich vor nur 30 Genossenschaftern über die Bühne gegangen ist, konnte CEO Wolfgang Hechenberger den Vollzug vermelden. Auch rechtlich hat sich die größte Außerferner Bank vom „Konzern“ verabschiedet. Die letzte Bank in der Schweiz wurde verkauft.

Eine Malversation (Unregelmäßigkeit) genau in diesem Private-Banking-Bereich in St. Gallen sollte sich dann als großer Bilanzcrasher für 2019 erweisen. Als die Verkaufsgespräche kurz vor dem Abschluss standen, stellte sich heraus, dass ein St. Galler Mitarbeiter unautorisiert in die Wertpapierdepots von Kunden eingegriffen und damit gearbeitet hatte, um deren Werte zu verbessern. Das Gegenteil war der Fall. Die Rettungsversuche wurden immer noch risikoreicher, die Verluste immer größer. Obwohl die Vorgänge schon nach kurzer Zeit aufflogen, war ein Millionenschaden in Franken wie Euro perfekt. Der Mitarbeiter wurde fristlos entlassen. Er könnte zudem straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen ins Auge sehen. Der Schaden wurde von der Raiba Reutte sofort ausgeglichen. Dies führte zu einer „Teilabschreibung der Beteiligungswerte“, wie es im Bankerdeutsch heißt. Anders ausgedrückt: Das Bilanz­ergebnis 2019 weist, obwohl in Reutte der Turnaround gelungen ist und schwarze Zahlen erwirtschaftet wurden, trotzdem fünf Mio. Euro Verlust auf. Die Bilanzsumme beträgt 585 Millionen Euro.

Für Hechenberger ist der Schweizer Vorfall „sehr ärgerlich, aber ein Einzelfall“. Die Bank mit ihren 80 Mitarbeitern, denen er für ihr besonderes Engagement bei der Umstrukturierung dankt, stehe bestens da, allein die Kernkapitalquote betrage weiterhin über 20 Prozent. Das Raiba-Reutte-Kreditgeschäft konnte im vergangenen Jahr in der Region um sieben Prozent gesteigert werden, das Volumen betrug 327 Millionen. Das Wertpapiergeschäft wurde natürlich nicht aufgegeben, 1,2 Milliarden Euro an Kundengeldern wollen auch weiterhin gut angelegt sein.

„Auch das Corona-Jahr 2020 entwickelt sich bisher sehr gut. Ich bin wirklich optimistisch, wir sind am richtigen Weg“, erklärt Hechenberger.

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