Sicherheitsexperte: „Sobald die Maske weg ist, fällt die Hemmschwelle“

Seit acht Jahren entwickelt Bernhard Schneider Sicherheitskonzepte für Veranstaltungen. Corona stellt ihn vor ganz spezielle Herausforderungen.

Bernhard Schneider hat nicht nur ein eigenes Unternehmen, sondern ist auch Bürgermeister von Assling und Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsverbandes Osttirol.
© Oblasser

Von Catharina Oblasser

Assling, Lienz – Bernhard Schneider ist es gewohnt, mit Zahlen, Prozentsätzen und Wahrscheinlichkeiten zu arbeiten. Nach einem Studium des Krisen- und Katastrophenmanagements an der UMIT in Hall hat er sich selbstständig gemacht und erstellt Sicherheitskonzepte für Veranstaltungen – in ganz Tirol, aber auch in anderen Bundesländern. Ob Schützenfest, Almabtrieb, Feuerwehr-Generalversammlung, UVP-Verhandlung oder Konzert: „Ab einer erwarteten Besucherzahl von 1500 Personen ist ein Sicherheitskonzept zwingend vorgeschrieben“, erläutert der 56-Jährige, der seit 17 Jahren Bürgermeister von Assling ist. Er führt auch die Geschäfte des Abfallwirtschaftsverbandes Osttirol.

Das Auftauchen des Coronavirus hat Schneiders Branche gehörig durcheinandergewirbelt. Zusätzlich zu allen anderen Aspekten, die man bei der Vorschau auf eine Veranstaltung beachten muss, kommen nun noch Abstandsregeln und Co. dazu.

Üblicherweise verwendet Bernhard Schneider einen so genannten Wahrscheinlichkeitsraster mit einem Schulnotensystem. Damit kann die Wahrscheinlichkeit von Zwischenfällen eingeschätzt und der mögliche Schaden bewertet werden. Doch bei Corona tut sich selbst der Fachmann schwer. „Das Ansteckungsrisiko bei Covid lässt sich aus meiner Sicht nicht beziffern“, sagt er. „Ich kann aber sagen, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist, wenn man alle Sicherheitsvorgaben einhält.“

Als Beispiel kann die Baustartfeier für das Lienzer Institut für Gesundheitsbildung dienen, die Ende August am Areal des Bezirkskrankenhauses stattfand. Das Sicherheitskonzept stammte von Bernhard Schneider. Gefeiert wurde unter einem großen Zelt im Freien. Die weit mehr als 100 geladenen Gäste wurden einzeln in Empfang genommen, jeder Name abgehakt. Das Thema „Contact Tracing“, also die Nachverfolgung von allfälligen Infektionsketten, beschreibt Schneider so: „Man muss wissen, wer wann wo war.“

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Dann ging es für die Gäste zum zugewiesenen Platz an einem der in Distanz aufgestellten Tische. „Bei Covid dreht sich alles um den Mindestabstand“, weiß Schneider. Die Maske ist Pflicht und darf erst am Sitzplatz abgenommen werden. „Sobald die Maske weg ist, fällt die Hemmschwelle, sich anderen zu nähern. Dann wird oft der nötige Abstand nicht mehr eingehalten“, schildert der Experte. Weitere Vorsichtsmaßnahme: Ansprachen werden von einem Rednerpult aus gehalten, das von den Tischen weit genug entfernt ist, nicht vom Sitzplatz aus.

Die Beschäftigung mit der Gefahr ist Schneiders Beruf. Vom Unwetter bis zur Massenpanik, von der Bombendrohung bis zum vermissten Kind, alles muss abgeschätzt, bewertet und in Zahlen gegossen werden. Ob er selbst dadurch ängstlicher geworden ist? Nein, meint der Asslinger. „Eher im Gegenteil. Ich sehe, dass fast alles sehr wohl ungefährlich und gut abgesichert ist.“


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