Frauen in Tirol entscheiden sich weniger oft für Doppelnamen

Das Namensrecht ist fortschrittlich, wird aber nicht voll ausgeschöpft. Ein Großteil der Tiroler Paare wählt bei der Heirat den Namen des Mannes. Es fehlen Studien.

Es bleibt eine Besonderheit, wenn der Ehepartner den Namen der Frau annimmt.
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Von Sabine Strobl

Innsbruck – Vor der Qual der Wahl scheint ein Großteil der Tiroler Paare bei der Ehenamenwahl nicht zu stehen. Sie entscheiden sich trotz eines offenen Namensrechts meist, den Namen des Mannes als Familiennamen zu führen. „Ein Grund mag im Traditionsbewusstsein liegen“, erklärt Arnold Wackerle und stellt fest, dass der Doppelname derzeit weniger gefragt sei. Der Landesleiter der Tiroler Standesbeamten ist einer der wenigen, der im Standesamt Telfs die Trends auch in Zahlen wiedergeben kann.

Hier wird ersichtlich, dass sich in den vergangenen 20 Jahren doch einiges geändert hat. Bei 96 durchgeführten Trauungen im Jahr 2000 wählten 82 Prozent den Namen des Mannes als Familiennamen. Immerhin 6 Prozent bevorzugten den Namen der Frau und 8 Prozent einen Doppelnamen. 3 Prozent blieben beim jeweils eigenen Namen. Seitdem sank der Anteil der Paare, die den Namen des Mannes führen, langsam, 2017 nahmen 77 Prozent der Paare den Namen des Mannes an, 2019 waren es 66 Prozent (heuer sind es wieder mehr). Jeweils etwa 4 Prozent legten sich auf den Namen der Frau fest. Das Interesse am Doppelnamen sank in den vergangenen 20 Jahren und liegt heuer bisher bei unter 6 Prozent. Bemerkenswert ist, dass gleichzeitig der Anteil der Paare angestiegen ist, die bei ihrem Namen bleiben bzw. bei der Trauung noch keine Namensbestimmung vorgenommen haben. Diese Paare machten 2019 einen Anteil von 24 Prozent aus.

Namen in Zahlen

Namensrecht. 1975 gab es eine große Änderung im Namensrecht. Frauen bekamen die Möglichkeit, mit der Eheschließung ihren bisherigen Namen dem Namen des Mannes nachzustellen (Gebrauchsname). Seit 1995 können beide Partner einen Doppelnamen eintragen. Seit 2013 sind sämtliche Namenskombinationen möglich. Wer schon einen Doppelnamen führt, kann bei der Heirat einen neuen annehmen.

Studie. Die deutsche Gesellschaft für Sprache fasste 2018 folgende Trends zusammen. Vor 40 Jahren nahmen 98 Prozent der Frauen bei der Eheschließung den Namen des Mannes an, jetzt sind es drei Viertel der Frauen. Sechs Prozent der Paare wählen den Namen der Frau, acht Prozent einen Doppelnamen, zwölf Prozent behalten den eigenen Namen.

Auch Markus Tilly vom Standesamt Innsbruck, wo jährlich 500 bis 600 Trauungen stattfinden, bestätigt, „dass tendenziell der Name des Mannes als gemeinsamer Name angenommen wird. Der Doppelname ist nicht mehr so gefragt.“ Eine Statistik über die Ehenamenwahl gebe es nicht.

Wie die Statistik Austria informiert, ist derzeit keine Auswertung der Ehenamenwahl vorgesehen.

Aber die angeführten Tendenzen spiegeln sich in einer Untersuchung der deutschen Gesellschaft für Sprache (siehe Kasten). Drei Viertel der Ehepaare tragen den Namen des Mannes. Wird ein Doppelname angenommen, entscheidet sich mittlerweile jeder zehnte Mann dafür.

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Wie Erica Steiner festhält, ist es auch im Standesamt Kufstein selten, dass sich ein Mann zu einem Doppelnamen entschließt. Sie betont aber, dass ein Doppelname immer verwendet werden muss, also nicht ein Teil des Namens aus praktischen Gründen weggelassen werden kann. Grundsätzlich kann man seinen Namen wieder ändern.

Der Name ist ein wesentlicher Bestandteil von Identität. Karoline Irschara, Sprachwissenschafterin an der Universität Innsbruck, verweist auf die Einführung in die „Genderlinguistik“ von Helga Kotthoff und Damaris Nübling, welche die Ehenamenwahl als dringende Forschungsaufgabe beschreiben. Sie erwähnen auch eine Befragung von Jungvermählten aus dem Jahr 2000. 29 von 33 Paaren wählten den Namen des Mannes. Ein Detail: Der Name des Mannes wurde damals auch ästhetisiert. Der Eindruck, sich gegen patriarchale Strukturen aufzulehnen, sollte vermieden werden.


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