Luegtunnel vom Tisch, VP stellt Brückengröße in Frage

Bergmeister-Gutachten beziffert Kosten-Differenz mit rund 100 Mio. Euro. Asfinag will UVP-Feststellungsverfahren starten. Streit um Brückenausbau.

Asfinag-Alpenstraßen-Geschäftsführer Stefan Siegele will den Neubau der Luegbrücke (Bildhintergrund) bis 2028 abgeschlossen haben.
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck, Gries a. Br. – Das Wort von Christoph Walser dürfte bei der Asfinag nicht viel wiegen. Im November letzten Jahres hatte der Wirtschaftskammerpräsident der Autobahngesellschaft nahe­gelegt, vom Neubau der Luegbrücke entlang der Brennerautobahn abzusehen und stattdessen auf eine Tunnelvariante umzuschwenken. Damit wird es nichts. Die Asfinag wird die Brücke bauen, wie gestern bekannt wurde.

Wie berichtet hat die Asfinag im Dezember 2019 ihre Pläne für die zwischen Gries am Brenner und Brennersee gelegene, mit 1,8 Kilometern längste Brücke im Autobahnnetz präsentiert. Die Gemeinde Gries forderte stattdessen eine Tunnelvariante. Zuletzt untermauert durch eine Bürgerinitiative an den Nationalrat. Die Asfinag führte dagegen nicht nur das Kosten- und Zeitargument, sondern auch die Sicherheit ins Spiel. Immerhin würde die Brücke mit zwei neuen Pannenstreifen versehen. Bedenken der Regionsbürgermeister, dass eine dritte Spur aufgehen könnte, dementierte die Asfinag.

Auch, weil LH Günther Platter eine „ergebnisoffene Diskussion“ einforderte, beauftragten Land und Asfinag in Folge Ex-BBT-Vorstand Konrad Bergmeister mit einer externen Variantenprüfung. Das Ergebnis wurde gestern bekannt: die Brücke ist auch gemäß Bergmeister (und weiterer hinzugezogener Fachexperten) die Bestvariante.

In dem Gutachten beleuchteten Bergmeister und Co. Tunnel- wie Brückenvariante auf Aspekte wie Kosten, Betrieb, Umwelt, Mensch. Diese wurden in der Folge in fünf verschiedenen Szenarien unterschiedlich gewichtet. Vier davon vielen „eindeutig“ zugunsten des Brückenneubaus aus. Allein bei den Kosten stünden rund 220 Mio. € (Brücke) gegen 320 Mio. € (Tunnel). Bei einer Variante – hier wurde die Kategorie Umwelt (sowie Mensch) priorisiert sei „ein Gleichstand“ erzielt worden, wurde gestern in einer Aussendung betont. Die Tunnelvariante soll hier mit 53 Prozent gegenüber der Brücke leicht favorisiert werden.

Die Asfinag will nun das UVP-Feststellungsverfahren starten und hofft noch im Oktober auf diesbezügliche Unterlagen aus dem Ministerium. Vorarbeiten sollen dann 2021, der Baustart 2022 erfolgen. Die Bauzeit wird mit bis zu sechs Jahren angegeben.

Einig sind sich gestern alle darin, das Bergmeister-Gutachten nicht anzufechten, weil es seriös und stichhaltig sei. Der Grieser BM Karl Mühlsteiger hält trotzdem an seiner Forderung nach einem Tunnel fest. Grünen-Verkehrssprecher Michael Mingler will das Ergebnis „akzeptieren“, auch weil der Brückenneubau aus Sicherheitsgründen nachvollziehbar sei und die Kapazitäten nicht erhöhen solle. Anders tönt es von VP-Verkehrssprecher Florian Riedl: „Natürlich ist das Gutachten schlüssig.“ Fakt sei aber auch, dass mit dem Brückenneubau (samt neuen Pannenstreifen) die Gesamtbreite von derzeit 22,5 auf 30,9 Meter wachse: „Durch Ausbau und Verbreiterung der Straße schaffen wir die Verlagerung auf die Bahn nicht.“ Was, wenn die Pannenstreifen-Öffnung doch kommt, fragt Riedl. Man werde das Gespräch mit Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) suchen. (mami, md)


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