Nach massivem Felssturz im Alpbachtal: „Rückkehr ist vorerst keine Option“

Einen Tag nach dem Felssturz in einer Wohnsiedlung in Reith i. A. bleibt ein Familienhaus weiter gesperrt. Eine Erkundungstour offenbarte die prekäre Lage. Wie es weitergeht, ist noch unklar.

Vor zehn Jahren haben Sabine und Hans Hechenblaikner im Ortsteil St. Gertraudi gebaut – am Dienstag donnerten tonnenschwere Felsen auf ihr Zuhause nieder. Wann sie und ihre beiden kleinen Töchter wieder einziehen dürfen, ist unklar.
© Hrdina

Von Jasmine Hrdina

Reith i. A. – Kaum Worte fanden gestern Mittag Sabine und Hans Hechenblaikner für das, was sich Tags zuvor in ihrem Zuhause in Reith im Alpbachtal – oder besser darüber – abgespielt hat. „Es ist ein Riesenglück, dass es nur zu einem Sachschaden kam“, meinen die beiden unisono.

Wie berichtet, donnerten Dienstagmittag mehrere hundert Kubikmeter Gestein vom Reither Kogel in eine Siedlung im Ortsteil St. Gertraudi. Sabine Hechenblaikner war gerade bei der Schwiegermutter im Haus gegenüber zum Essen eingeladen. „Wir haben einen Rums gehört – aber dachten zuerst, es sei wegen der Fräsarbeiten, die gerade in der Straße gemacht wurden.“ Als die Einsatzkräfte eintrafen, bahnten sich noch zahlreiche Brocken gewaltsam ihren Weg den Hang hinunter.

Weitere Erkundungsflüge und Steinschlagsimulationen geplant

Nachbarn und Augenzeugen nennen es ein „Wunder, dass niemand verletzt wurde“. Sechs Häuser mussten vorübergehend evakuiert werden. Während die Nachbarn ihre Stuben am späten Nachmittag bereits wieder beziehen durften, wartet Familie Hechenblaikner noch auf die behördliche Freigabe ihres Hauses. „Vor nächster Woche wird das sicher nicht sein“, erklärt Ludwig Moser, Amtsleiter in Reith i. A. und spricht von einer prekären Lage.

Einer der Gesteinsbrocken vor dem Einfamilienhaus.
© Hrdina

Stundenlang kämpfte sich gestern eine Spezialfirma zur extrem steilen und unzugänglichen Abbruchstelle vor. Letztlich mussten die Mitarbeiter 200 Meter abgeseilt werden. Moser schildert: „Es ist unklar, wie stabil der verbliebene Felsvorsprung ist. Das dahinterliegende Becken ist komplett voll mit Geröll und Steinmassen.“ Von einer aufwändigen Räumung des Beckens bis zur Sperre weiterer Häuser sei vieles möglich. Weitere Erkundungsflüge und Steinschlagsimulationen sollen in den nächsten Tagen Aufschluss geben.

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„Solange es für unsere Familie nicht sicher ist, ist eine Rückkehr keine Option“, zeigt sich Hans Hechenblaikner gefasst. Unterschlupf finden sie bei Bekannten. Nun heißt es warten „und den Alltag, so gut es geht, normal gestalten – für unsere beiden Töchter“, meint Sabine Hechenblaikner. Eines tröstet sie: Die Solidarität. „Das Hilfsangebot war überwältigend.“


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