Amtsinhaber Donald Trump, der Spalter der Nation

Der Amtsinhaber mag Gegner und Kritiker erzürnen. Aber er hat konsequent weniger gebildete Weiße, Evangelikale und den Wirtschaftsflügel bedient und damit seine Wählerbasis weitgehend erhalten.

Donald Trump: Das Motto „Ich oder der Sozialismus“ soll das eigene Lager mobilisieren.
© AFP

Von Floo Weißmann

Washington – US-Präsident Donald Trump (74) beschäftigt und spaltet die Nation seit Jahren. Viel wurde schon geschrieben über seine Skandale und Tabubrüche, seine Unwahrheiten und oft gar nicht so unterschwelligen rassistischen Botschaften. Über die Selbstverliebtheit eines Politikers, der via Twitter und rechte Medien direkt zu seinen Anhängern spricht und seine Politik allein davon abhängig macht, was ihm schadet oder nützt. Über seine Ignoranz gegenüber demokratischen Spielregeln – bis hin zur Weigerung, eine mögliche Niederlage anzuerkennen und einen friedlichen Machtwechsel zu garantieren.

Trotzdem ist die Wählerbasis des früheren Immobilientycoons und Reality-TV-Stars in den vergangenen Jahren kaum geschrumpft – und niemand will ausschließen, dass Trump letztlich im Weißen Haus bleibt. Es wäre zu einfach, fast die Hälfte der Amerikaner als Trumpisten hinzustellen. Vielmehr hat sich Trump durch gezielte Botschaften und Politiken laut US-Politologe David Rowe die Unterstützung von wichtigen Wählergruppen gesichert.

Erstens hat Trump weniger gebildete Weiße vor allem im ländlichen Raum angesprochen, die bis dahin in keiner Partei zu Hause waren. Bei den Demokraten habe vor allem der linke Flügel diese Wählergruppe mit Geringschätzung behandelt und sich stattdessen auf Minderheiten und die obere Mittelschicht in den Städten konzentriert. Und die Republikaner kümmerten sich um eine Umverteilung von unten nach oben. Trump hingegen habe „auf das tiefe menschliche Bedürfnis dieser Gruppe nach Anerkennung und Würde geantwortet und sie damit in das politische System gezogen“, sagt Rowe.

Zweitens habe Trump als erster republikanischer Präsident die kulturelle Agenda der Evangelikalen ernst genommen – etwa durch die Bestellung von sozialkonservativen Richtern. Diese Wählergruppe war von seinen Vorgängern zwar im Wahlkampf rhetorisch bedient worden, fühlte sich nach der Wahl aber oft vernachlässigt.

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Weiße Arbeiter und Evangelikale seien nun untrennbar mit Trump verbunden. Komplizierter wird es bei einer dritten Gruppe, nämlich dem Wirtschaftsflügel. Der Präsident habe den traditionellen republikanischen Mainstream mit Steuersenkungen für die Wohlhabenden und mit Deregulierung bedient, sagt Rowe. Viele Vertreter dieser Gruppe seien aber von seiner „Inkompetenz“ beim Pandemie-Management zutiefst erschüttert. Diese Wähler seien mobiler und könnten von einem moderaten Demokraten – wie Joe Biden – mobilisiert werden.

Ungewöhnlich an Trumps Wahlkampf ist laut Rowe, dass er außer seiner eigenen Person kein Wahlprogramm anbietet. „Es gibt keinen Plan dafür, wohin er das Land führen will, welche Politiken er verfolgen wird oder welche Vision er anbietet – außer seine Anhänger vor der Linken zu beschützen.“ Konsequenterweise ziele Trumps gesamte Strategie darauf ab, seinen Anhängern Existenzangst einzuflößen.

Sollte Trump im Amt bleiben, wäre sein Wahlsieg paradoxerweise durch seine eigenen Angriffe auf den Wahlprozess delegitimiert. Rowe hält es für wahrscheinlich, dass es in diesem Fall zu massiven Bürgerprotesten kommt – und möglicherweise zu einer „bewaffneten Antwort“ sowohl von staatlicher Seite als auch von Milizen.


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