Corona-Rekord in Tschechien - Italien erwägt Maßnahmen

Trotz verschärfter Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie steigen die Corona-Zahlen in Tschechien weiter an. Am Mittwoch wurden 9.544 neue Fälle verzeichnet, teilte das Gesundheitsministerium mit. Das war der höchste Wert an einem Tag seit Beginn der Pandemie. In Italien prüft die Regierung die Möglichkeit, auf lokaler Basis beschränkte Lockdowns einzuführen. Am Mittwoch gab es dort 7.332 Neuinfektionen, so viele wie noch nie binnen 24 Stunden.

Die Gesamtzahl der jemals Infizierten in Tschechien stieg auf knapp 140.000. Rund 2.700 Menschen werden im Krankenhaus behandelt. Die Zahl der Todesfälle seit Beginn der Pandemie in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung stieg auf 1.172.

Die Regierung kündigte an, rund 4.000 Krankenhausbetten zu kaufen, um unter anderem in Messehallen Behelfseinrichtungen für einen möglichen Ansturm aufzubauen. „Die Zahlen sind katastrophal - es eilt wirklich sehr“, sagte Ministerpräsident Andrej Babis der Agentur CTK zufolge vor seinem Abflug zum EU-Gipfel in Brüssel. Er habe über mögliche Hilfen auch „mit der bayerischen Seite“ gesprochen, man wolle die Situation aber möglichst allein meistern.

Seit Mittwoch sind alle Restaurants, Gasthäuser und Bars geschlossen. Der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit ist verboten. Alle Schulen haben Fernunterricht eingeführt. Es dürfen sich sowohl drinnen als auch draußen nur noch maximal sechs Menschen treffen. Sport- und Kulturveranstaltungen sind untersagt. Die Maskenpflicht wurde ausgeweitet. Der EU-Mitgliedstaat hat knapp 10,7 Millionen Einwohner.

Die Maßnahmen in Italien könnten Provinzen der Lombardei und der süditalienischen Region Kampanien betreffen, in denen die Zahl der Infektionen stark gestiegen ist. „Es ist offenkundig, dass uns der Zuwachs bei der Zahl der Neuansteckungen Sorge bereitet. Das regionale Gesundheitsnetz hält jedoch der Lage Stand“, betonte Regionenminister Francesco Boccia nach Medienangaben. Premier Giuseppe Conte betonte, er wolle seinem Land einen neuen Lockdown nach jenem im März und April ersparen, doch alles hänge vom Verhalten der Bürger ab. Prioritär sei es jetzt, die Zunahme der Ansteckungen zu stoppen. „Wenn die Zahl der Personen auf den Intensivstationen steigt, sind wir erneut in Schwierigkeiten“, argumentierte Conte.

Angesichts der zunehmenden Zahl von Infektionen in Italien rufen einige Virologen zu drastischen Maßnahmen auf. So sprach sich der angesehene Experte der Universität von Padua, Andrea Crisanti, für einen Lockdown zu Weihnachten aus. „Damit könnten wir die Verbreitung des Virus aktiver bekämpfen“, sagte Crisanti.

„Wir müssen verhindern, dass die Zahl von derzeit 5.000 Neuansteckungen pro Tag auf 10.000 bzw. 12.000 Fälle steigt“, warnte Crisanti. Wichtig sei, den Kontakt unter den Menschen zu reduzieren. Dabei solle man vor allem auf die öffentlichen Transportmittel achten, in denen es schwierig sei, Distanz zu halten. „Überfüllte Transportmittel fördern Ansteckungen“, erklärte der Experte.

Verkehrsministerin Paola De Micheli traf die Vertreter der größeren Nahverkehrsgesellschaften Italiens. Die Regierung will an der Grenze von 80 Prozent der besetzten Plätze im Nahverkehrssystem festhalten. Die Plätze in Bussen und U-Bahnen sollen nicht reduziert werden, sagte die Ministerin. Gegenüber der Zeit vor dem Ausbruch der Coronavirus-Epidemie würden sich 50 Prozent weniger Personen öffentlicher Verkehrsmittel bedienen, die Zahl der Passagiere habe sich um rund acht Millionen Personen verringert.


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