Tirol verschärft die Corona-Regeln: „Es wird wieder ernster“

Tirol verschärft die Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Covid-19 drastisch. Anders sei die Eindämmung des Virus nicht mehr möglich, sagen die Verantwortlichen des Landes. In Innsbruck und Innsbruck-Land leuchtet Corona-Ampel ab heute auf der höhsten Warnstufe „Rot". Registrierungspflicht in Lokalen kommt. Für die Oberstufe startet Heimunterricht.

LH Günther Platter: "Eine Eindämmung des Virus ohne Einschränkungen ist nicht möglich."
© APA/EXPA/Groder

Innsbruck – Zwei Bezirke (Innsbruck und Innsbruck-Land) auf Rot und vier Bezirke (Schwaz, Kufstein, Landeck, Imst) orange - spätestens ab heute ist in Tirol Handlungsbedarf gegeben. Denn das Coronavirus breitet sich rasant aus, 221 Neuinfektionen binnen 24 Stunden wurden allein gestern Abend vermeldet.

Die Kontakt-Nachverfolgung im Umfeld von positiv Getesteten wird zunehmend schwieriger, die Zahl der Cluster nimmt zu. Nach der Vorverlegung der Sperrstunde beschloss die Tiroler Landesregierung am Donnerstag weitere Verschärfungen. Die hatte Bundeskanzler Sebastian Kurz ja vehement für besonders betroffene Bundesländer gefordert.

Platter: „Eindämmung ohne Einschränkungen nicht möglich"

Er verstehe, dass die vielen Regeln und Vorschriften für die Tiroler „anstrengend und ermüdend" seien, sagte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) gestern Abend bei einer Pressekonferenz. „Aber eine Eindämmung des Coronavirus ist ohne Einschränkungen nicht möglich." Deshalb habe sich die Landesregierung in Gesprächen mit Experten auf einen acht Punkte umfassenden Maßnahmenplan geeinigt.

Die verordneten Schritte gelten vorerst für drei Wochen, „in vierzehn Tagen sehen wir, wie sich das jetzt Beschlossene auswirkt". Um zu erkennen, wo eventuell nachgeschärft werden muss, werde die Situation in nächster Zeit „genau beobachtet", erklärte Platter. „Es ist nicht vorbei", betonte er.

Stellte jedoch auch klar: „Wir stehen nicht vor einem Lockdown." Ebenso schloss er aus, dass Tiroler Gemeinden – so wie Kuchl im Salzburger Tennengau – unter Quarantäne gestellt werden.

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Für die Oberstufe startet Heimunterricht

Beschränkt wird die Zahl der täglichen Besucher in Alten- und Pflegeheimen, in Spitälern und Einrichtungen für Behinderte auf zwei pro Tag pro Bewohner. In auf der Corona-Ampel orange oder rot eingefärbten Bezirken wird für Oberstufenschüler auf Heimunterricht umgestellt. Auch die Universitäten und Fachhochschulen müssen die Präsenzlehrveranstaltungen einschränken.

Die Landesverwaltung stellt auf Home-Office um. „Überall dort, wo es möglich ist", sagte Platter. „In Absprache mit den Sozialpartnern ergeht auch ein Appell an alle Unternehmen Tirols, es uns gleichzutun." Publikumsveranstaltungen dürfen nur noch mit zugeteilten Sitzplätzen, einer maximalen Teilnehmerzahl von 250 und ohne Ausschank stattfinden. Ausnahmegenehmigungen, Platter nannte als Beispiel das Tiroler Landestheater, können allerdings beantragt werden.

Registrierungspflicht in Lokalen kommt

Bei Beerdigungen dürfen künftig nur noch 100 Menschen anwesend sein. Eine Registrierungspflicht für die Gastronomie wird eingeführt, die Sperrstunde bleibt allerdings bei 22 Uhr. Und auch das Vereinsleben bleibt nicht unberührt. „Die Aktivitäten werden auf den eigentlichen Vereinszweck reduziert", betonte Platter. „Nach dem Fußballtraining ist ein Besuch der Kantine also nicht möglich."

Die Maßnahmen gelten ab heute - bis auf die Registrierungspflicht und den Heimunterricht für die Oberstufenschüler, welche erst am Montag in Kraft treten.

Felipe: "Beunruhigende Entwicklung"

„Es wird wieder ernster", sagte Ingrid Felipe (Grüne). Die Verordnungen zielen laut der Landeshauptmannstellvertreterin darauf ab, „die Infektionskurve wieder gut in den Griff zu bekommen. Wir wollen keinen zweiten Lockdown." Felipe sprach von einem „gröberen Problem" mit und einer "beunruhigenden Entwicklung" im privaten Bereich, bei Feiern oder in der Familie.

Auch aus diesem Grund rieten Felipe und auch Landeshauptmann Platter zur gezielten Rücksichtnahme auf Risikogruppen und zum Tragen von Masken im Freien. Insbesondere aber solle die Zahl der privaten Treffen in den kommenden drei Wochen so gut es geht beschränkt werden.

Soziale Kontakte müssen „ganz massiv" reduziert werden, forderte die Mikrobiologin Cornelia Lass-Flörl. Das sei „das Einzige, von dem wir wissen, dass es wirkt". So könne das derzeit „aktive Infektionsgeschehen" auch schrittweise gedrosselt werden, sagte Lass-Flörl. (bfk, pn, TT.com)

Die neuen Maßnahmen

  1. In sensiblen und gefährdeten Bereichen wie Pflegeheimen und Krankenhäusern wird die Zahl der täglichen Besucher auf zwei beschränkt. Zusätzlich werden die Hygienebestimmungen erhöht.
  2. In orangen und roten Bezirken wird die Schulampel auf orange gestellt. Ab der 9. Schulstufe wird damit auf Distance Learning umgestellt. Auch zusätzliche Schutzmaßnahmen werden durchgeführt. - Das gelte ab Montag.
  3. In der Landesverwaltung wird überall dort, wo es möglich ist, auf Home Office umgestellt. Tiroler Unternehmen sollten es gleichtun, wo es möglich ist, wird appelliert.
  4. Publikumsveranstaltungen sind nur noch für max. 250 Personen mit zugewiesenen Sitzplätzen erlaubt. Der Getränke-Ausschank wird untersagt.
  5. Vereinsaktivitäten werden auf den eigentlichen Zweck des Vereins beschränkt, z.b. den Sport. Nutzung von Vereinskantinen ist nicht mehr möglich
  6. Für die Gastronomiebetriebe wird eine Registrierungspflicht eingeführt. Die Sperrstunde bleibt bei 22 Uhr.
  7. Bei Beerdigungen sind maximal 100 Personen erlaubt.
  8. In den Universitäten und FHs wird Distance Learning wieder ausgeweitet.

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