Verborgene Leidenschaften vertrauter Komponisten

Die Symphoniekonzerte starteten mit Schubert, Hummel und Weill in die Saison.

Behutsam führt Kerem Hasan die junge, aufstrebende Trompeterin Selina Ott durch das Hummel-Konzert.
© Cho

Von Ursula Strohal

Innsbruck – Er hätte es sich leicht machen können, als Corona-bedingt das erste Saisonprogramm des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck ausgetauscht werden musste. Aber Chefdirigent Kerem Hasan ging einen anderen Weg. Als er für Richard Strauss’ Oboenkonzert aufgrund der Reiseauflagen keinen Solisten mehr und für die überlebensgroße Alpensymphonie zu viele Musiker auf dem Podium gehabt hätte, wählte er keinen Standardersatz. Er stellt an den nunmehr drei Abenden im Congress selten aufgeführte Werke vor und mit dem allerdings wohlbekannten Trompetenkonzert von Johann Nepomuk Hummel die junge Trompeterin Selina Ott.

Zwei Ouvertüren von Franz Schubert: Während jene zu der Oper „Alfonso und Estrella“ in verschiedenen Zusammenhängen gespielt wird, führt die in e-Moll, D 648, in der Hasan licht- und sonnendurchflutet italienisches Flair erlebt, ein Schattendasein. Und ist doch ein Stück dramatischen Zugriffs, mit einem Hauch Beethoven und einer raffiniert aus dem Urgrund der Kontrabässe gesteuerten Vitalität.

Danach waren es zunächst die hohen Streicher, die Ton und Rhythmus angaben, das Feld öffneten, auf dem sich in Kurt Weills Symphonie Nr. 2 vielgestaltig Fruchtbares quer durchs Orchester entwickeln kann. In den stark geforderten Bläsern zumal, denen Kerem Hasan ganz nah ist, wenn sie führen, mit seiner stützenden Präsenz, den sicheren Einsätzen, seiner Musizierkraft. Sein Charisma gehört natürlich dem ganzen Ensemble, wo sich etwas auftut, ist er da, und das Orchester gibt ihm am Mittwoch alles. Der Uraufführungsskandal um Weills Songspiel „Mahagonny“ war fünf Jahre vorbei, als er die Symphonie in der künstlerischen Ungeduld seiner politbewussten Generation begann. Dann flieht er 1933 vor den Nazis nach Paris, die ihn auch dorthin verfolgen. Die stürmische, dunkle Symphonie birgt die Zerrissenheit Weills und den Lebensdruck, ist aber groß als abstrakte, nicht überladene, doch reich geladene Komposition, die Weills künstlerische Potenz manifestiert.

Inmitten der Musik von Schubert und Weill das Trompetenkonzert von Johann Nepomuk Hummel: Ein lichtes Werk, mit dem Trompeter aufwachsen, für Klappentrompete geschrieben. Selina Ott, erst 22, eilig auf der Karriereleiter unterwegs, wählte dafür ihre weniger „unbequeme“ moderne Ventiltrompete. Mit deren wie Silber blitzenden Ton ging sie, technisch wohlgerüstet, durch die drei Sätze. Für das „con spirito“ ist noch Luft nach oben.


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