Respektvoll neugieriger Blick: Ausstellung von Peter Elvin im Fotoforum

Tradition und Weltoffenheit: Das Innsbrucker Fotoforum zeigt Peter Elvins Porträt des jüdischen Lebens in Elisabethstadt.

Peter Elvin besuchte für seine Fotoreihe auch die Große Synagoge in Budapest, Europas größten jüdischen Sakralbau.
© Peter Elvin

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Ein Windzug lässt die Mechiza im Wind wehen, fast meint man, einen Blick durch die luftige Abtrennung zu erhaschen. Das lässt die Tradition aber nicht zu. Frauen und Männer sind beim Gebet in der Synagoge klar getrennt. An anderer Stelle werden sorgsam die Vorbereitungen zum Sabbat getroffen, ein Motiv weiter trifft sich die Familie zum Sukkot, dem jüdischen Laubhüttenfest. Der Eingang zur koscheren Bäckerei steht ihm offen, ebenso wie die Tür zur Mikwe, dem Tauchbad, deren Wasser der rituellen Reinigung dient. Nur Gast in diesen Stätten jüdischer Tradition ist der Kufsteiner Fotograf Peter Elvin. Seine Kamera ist natürlich immer mit dabei. Sein respektvoll neugieriger Blick in den Alltag des jüdischen Lebens in Budapest ist zurzeit im Innsbrucker Fotoforum zu sehen.

Dort ist Elvin ebenso gern gesehener Gast, erst Anfang 2019 war seine letzte Ausstellung dort zu sehen. Inzwischen hat man den nunmehr 76-Jährigen als behutsamen Beobachter von Minderheiten kennen gelernt, 2015 etwa zeigte er ein berührendes Porträt eines ungarischen Roma-Dorfs an der Grenze zur Slowakei. In einem Zeitraum von eineinhalb Jahren entstand in 1500 Aufnahmen nun eine künstlerische Dokumentation des jüdischen Viertels Elisabethstadt in Budapest. Die Ausstellung trägt als Titel die ungarische Bezeichnung „Erzsébetváros“.

Nur mit speziellen Kontakten gelang es dem Tiroler Fotografen, in die innersten Kreise der religiösen Gemeinschaft vorzudringen. Trotz der strikten Religiosität zeigt Elvin in seinen Porträts und Stadtaufnahmen dennoch eine moderne, weltoffene Gemeinschaft. „Der Kompromiss gelingt“, resümiert Elvin seine Erfahrungen in Ungarn.

Keine Schnappschüsse, sondern wohl komponierte Aufnahmen sind jetzt im Fotoforum zu sehen, die auch von den Porträtierten mitgetragen werden – sie entscheiden darüber, wie sie abgebildet werden: Da zeigen die stolzen Eltern ihren dreijähren Sohn, dem anlässlich der Chalaka erstmals die Haare geschnitten werden; selbstbewusst posen auch drei Teenager-Mädchen, die gerade darin unterrichtet werden, wie man einen koscheren Haushalt führt. Und dazwischen immer wieder Hinterhöfe, in denen die Zeit stillzustehen scheint, oder historische architektonische Details, die daran erinnern, dass die jüdische Kultur in Budapest noch vor dem Holocaust etwa 200.000 Gläubige zählte. Inzwischen dürfte die Gemeinde etwa 80.000 Mitglieder zählen, schätzt Elvin. Das jüdische Leben ist präsent. Und die Ausstellung gerade in einer Zeit, in der antisemitische Vorfälle wieder vermehrt in den Schlagzeilen auftaucht, absolut wichtig.

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