Der lange Atem der Hoffnung in dünner Höhenluft

Wer hält am Sonntag (10.00/13.15 Uhr, live TT.com-Ticker) in Sölden Österreichs Ski-Ehren hoch? Nach dem Ausfall von Manuel Feller sinken die Erwartungen weiter.

Österreichs Technik-Ass Marco Schwarz (r.) soll Jagd auf Norwegens Kugelsieger Henrik Kristoffersen (l.) und Alexis Pinturault (FRA) machen.
© gepa

Von Roman Stelzl

Sölden –Der Riesentorlauf, das ist so ein eigenes Thema. Eines, das den österreichischen Skisport seit geraumer Zeit verfolgt – selten mit gutem, oft genug mit schlechtem Ausgang. Es ist die Problemzone, die in Saison eins nach dem Rücktritt von Marcel Hirscher rot eingefärbt wurde. 2018/19 holte alleine der Salzburger 680 Punkte, 2019/20 schaffte das gesamte ÖSV-Team mit sechs Athleten nicht einmal die Hälfte (325 Punkte). Sogar Norwegens Kugel-Sieger Henrik Kristoffersen (394) stach Österreichs gesamten Kader nach sieben Riesentorläufen aus. Ein Offenbarungseid.

Es muss also etwas passieren – doch ob das schon beim sonntägigen Saisonauftakt in Sölden (10/13.15 Uhr, live TT.com-Ticker) passiert, ist mehr als ungewiss. Mit dem Fieberbrunner Manuel Feller fehlt der beste Mann des Vorjahres (12.), womit der Kärntner Speed-Star Matthias Mayer nach dem 15. Rang 2019 wieder einmal in die ungewohnte Rolle des hoffnungsvollen Technikers schlüpft.

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Und die anderen? Da muss der Optimismus erst einmal in Taten umgesetzt werden. Allen voran gilt das für Roland Leitinger, der im Vorjahr als Gesamt-17. der in Summe beste Riesentorläufer war. „Ich bin guter Dinge, dass das eine tolle Saison wird“, sagt der Salzburger. Nach seinem Vize-Weltmeistertitel 2017 hatten viele auf einen Durchbruch gehofft – doch der gelang nur in Etappen. So wie mit Rang drei im Parallel-Rennen von Alta Badia (ITA) Ende 2019 oder Platz sechs im Adelboden-Rennen.

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Lauscht man nun Leitingers Worten, dann ist auch mit 29 Jahren längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht: „Ich habe noch viel vor. Ich habe in diesem Sommer alles gegeben und mich gut vorbereitet. Ich war im letzten Jahr in vielen Abschnitten unter den Top drei, das gilt es nun über zwei Läufe zu zeigen.“

Gesamtweltcup für Mayer und Kriechmayr kein Thema

Während Speed-Ass Vincent Kriechmayr kleine Brötchen bäckt („Ich will in den zweiten Durchgang, das wird auf diesem Hang schwierig genug“), überwiegt beim 30-jährigen Hahnenkamm-Abfahrtssieger Mayer schon mehr Optimismus. Das Thema Gesamtweltcup klammern die beiden ÖSV-Topanwärter auf einen Spitzenplatz aber aus – weniger wegen des noch größeren Ungleichgewichts (22 Technikrennen stehen 16 Speed-Bewerben gegenüber) als vielmehr wegen der Unsicherheit, wie viele Bewerbe es überhaupt gibt.

Und dann ist da ja noch Marco Schwarz. Der 25-jährige Allrounder aus Kärnten wird schon lange als Österreichs Hirscher-Nachfolger im Kampf um die große Kugel gehandelt – mit WM-Rang fünf im Riesentorlauf von Aare (SWE) 2019 bewies er auch schon sein Können. In der dünnen Höhenluft von Sölden mit dem Start auf 3040 Metern, wo die Herren-Rennen 2017 und 2018 wetterbedingt abgesagt werden mussten, war Schwarz erst einmal dabei, der 48. Rang von 2016 liest sich wenig schmeichelhaft. Zeit, diese Scharte auszubessern. „Ich will in die Top Ten, das traue ich mir auch voll zu“, sagte Schwarz.

Überraschen will auch der 29-jährige Salzburger Stefan Brennsteiner nach einem „sehr guten Sommer“. Das ist auch die Devise beim einzigen Tiroler im Starthaus: dem Mauracher Raphael Haaser. Der 23-jährige Bruder von Ricarda Haaser (schied am Samstag in Lauf eins aus) fährt seinen ersten Weltcup-Riesentorlauf und wird mit hoher Startnummer vorerst wohl eher Erfahrung als Punkte sammeln.

Es passt zu der Devise, die ÖSV-Cheftrainer Andreas Puelacher vor Sölden ausgibt: „Wir müssen den nächsten Schritt nach vorne machen und uns vor allem bei der Startnummer verbessern.“ Wenn es im Ötztal gleich ein großer Schritt nach vorne wird, dann auch gut.


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