Zuwanderer wählen in Wien öfter die SPÖ

In Wien leben mehr als 220.000 Zuwanderer mit österreichischer Staatsbürgerschaft, in ganz Österreich über 400.000. Über ihr Wahlverhalten ist nur wenig bekannt. Das OGM-Institut hat nun für die Wiener Gemeinderatswahl errechnet, wen die beiden größten Zuwanderergruppen gewählt haben: Sowohl in Serbien als auch in der Türkei geborene Österreicher tendieren demnach stärker zur SPÖ als die Gesamtbevölkerung. Bei Zuwanderern aus der Türkei punktete auch die Kleinpartei SÖZ.

Laut den Daten der Wiener Landesstatistik sind jeweils über 30.000 Österreicher im Wahlalter in der Türkei und in Serbien geboren. Sie machen damit zwar weniger als drei Prozent der Wahlberechtigten aus. In einzelnen Stadtvierteln sind es aber bis zu neun Prozent - so etwa in der Kreta und im Gudrunviertel zwischen Matzleinsdorfer Platz und Laxenburger Straße im 10. Bezirk, in Untermeidling im 5. sowie Neulerchenfeld im 16. Bezirk.

Auf Basis dieser Daten hat das OGM-Institut ein statistisches Modell erstellt, um das Wahlverhalten der beiden Zuwanderergruppen zu schätzen. Demnach tendieren die in Serbien geborenen Österreicher stärker zur SPÖ (46 Prozent) sowie zur FPÖ (9) als die Gesamtbevölkerung. Schwächer schneiden dagegen ÖVP (16 Prozent) und Grüne (12) ab. Die Liste von Heinz-Christian Strache, der als FPÖ-Chef massiv bei serbischen Zuwanderern geworben hatte, liegt zwar etwas stärker als im Gesamtergebnis, kommt aber auch hier nur auf fünf Prozent.

Im Summe unterscheidet sich das Stimmverhalten der Zuwanderer aus Serbien aber weniger deutlich vom Gesamtergebnis als jenes der in der Türkei geborenen Österreicher. Für sie weist die Modellrechnung zwar ebenfalls einen höheren SPÖ-Anteil aus (45 Prozent). Am zweiten Platz liegt in dieser Gruppe aber die Kleinstpartei SÖZ (Soziales Österreich der Zukunft) mit 20 Prozent. Wie Clara Himmelbauer von OGM gegenüber der APA betont, hatte die Liste SÖZ ihre stärksten Ergebnisse in Gemeindebausprengeln mit einem hohen Anteil türkischer Zuwanderer. Zum Vergleich: Im Gesamtergebnis schaffte die Partei - gegründet von Hakan Gördü, einem früheren Vizechef der AKP-nahen „Union Europäisch-Türkischer Demokratien“ - nur 1,2 Prozent. Alle anderen Parteien liegen bei Zuwanderern aus der Türkei dagegen deutlich unter ihrem Gesamtergebnis: Die ÖVP erreichte mit 10 Prozent nur knapp mehr als die Grünen (9) und die FPÖ (6).

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Zu beachten ist, dass die Zahlen nicht auf Umfragen beruhen, sondern auf dem ausgezählten Wahlergebnis sowie auf bis in die Wahlsprengel hinunter vorliegenden Bevölkerungsdaten. Auf Basis eines statistischen Modells wird daraus - ähnlich wie bei Wählerstromanalysen - der Stimmenanteil der Parteien in den jeweiligen Bevölkerungsgruppen errechnet. Umfragedaten über das Wahlverhalten aller Österreicher mit Migrationshintergrund hat zuletzt SORA für die Wien-Wahl erhoben. Hier schneiden die Sozialdemokraten deutlich und die Grünen etwas besser ab als in ihrem Gesamtergebnis. ÖVP und FPÖ liegen darunter. Aussagen über einzelne Migrantengruppen lässt diese Umfrage nicht zu.

Eine 2018 publizierte Studie über die politische Partizipation von Migranten weist jedoch deutliche Unterschiede bei der Wahlbeteiligung aus. Während nämlich 80 Prozent der Österreicher mit deutschem Migrationshintergrund angaben, schon an Wahlen in Österreich teilgenommen zu haben, waren es den Österreichern mit türkischen Wurzeln nur 56 und bei den Zuwanderern aus Ex-Jugoslawien 46 Prozent. Wobei Studienautor Peter Filzmaier einschränkt, dass der „Schlüsselfaktor“ hier der formale Bildungsgrad sei: Denn während bei türkisch-stämmigen Österreichern ohne Matura die Wahlbeteiligung besonders niedrig sei, liege sie bei jenen mit Matura „im Wesentlichen in Schnitt“.


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