NS-belasteter Haltestellen-Name in Innsbruck wird geändert

Wegen der Rolle des bekannten Chirurgen Burghard Breitner in der NS-Zeit wird eine nach ihm benannte Haltestelle nun umgetauft. Über eine Aberkennung des städtischen Ehrengrabes entscheidet der Stadtsenat.

Die Bushaltestelle „Burghard-Breitner-Straße“ heißt künftig „Hegnerstraße“ (nach dem Augenarzt Carl August Hegner).
© Vanessa Rachlé / TT

Innsbruck – Mit Fahrplanwechsel am 12. Dezember erhält die nach dem österreichischen Chirurgen, Hochschullehrer und Autor Burghard Breitner (1884–1956) benannte Bushaltestelle der Innsbrucker Verkehrsbetriebe (IVB) in der Reichenau einen neuen Namen: Sie heißt in Zukunft „Hegnerstraße“, nach dem Augenarzt Carl August Hegner (1880–1964).

Hintergrund ist Breitners Rolle im Nationalsozialismus – im Rahmen ihres 350-Jahr-Jubiläums widmete ihm die Universität Innsbruck einen eigenen erinnerungsgeschichtlichen Schwerpunkt. Breitner, dem seine ärztliche Tätigkeit in russischer Kriegsgefangenschaft (1914–1920) einst den Beinamen „Engel von Sibirien“ eingebracht hatte, trat bereits 1932 in die – später verbotene – NSDAP ein. Im selben Jahr wurde er Vorstand der Chirurgischen Universitätsklinik Innsbruck. In seine Zeit an der Innsbrucker Klinik fallen – in Übereinstimmung mit der menschenverachtenden NS-Gesundheitspolitik – 69 Zwangssterilisationen homosexueller Menschen sowie von Menschen, die als behindert oder psychisch erkrankt eingestuft wurden.

Die Straßenschilder in der Reichenau weisen bereits auf Breitners NS-Vergangenheit hin.
© Vanessa Rachlé / TT

Die Burghard-Breitner-Straße selbst wurde schon im August 2020, wie in Innsbruck in solchen Fällen üblich, mit einer erklärenden Zusatztafel versehen. Im neuen Tafeltext heißt es u. a., dass Breitner – der 1952/53 sogar Uni-Rektor war und 1951 für den „Verband der Unabhängigen“ bei der Bundespräsidentenwahl antrat – „für das Unrecht der NS-Gesundheitspolitik in Innsbruck mitverantwortlich“ war. Kommende Woche entscheidet der Stadtsenat zudem über eine Aberkennung des städtischen Ehrengrabs: Dieses war Breitner erst 1992 durch einen Stadtsenatsbeschluss zuerkannt worden. „Die zeitgeschichtlichen Forschungen legen aber nahe, dass eine solche Ehre Breitner seitens der Stadt Innsbruck aberkannt werden soll“, betont man in einer städtischen Stellungnahme.

Carl August Hegner, nach dem der Bushalt künftig benannt ist, gründete nach dem Ersten Weltkrieg das Schweizerische Hilfskomitee für die hungernden Völker. Dieses betrieb unter anderem in Innsbruck eine Suppenküche, die Anfang der 1920er-Jahre bis zu 4600 Portionen pro Tag ausgab. Hegner wurde schon 1922 als Ehrenbürger der Stadt Innsbruck ausgezeichnet. Seit 1966 heißt eine Querstraße in der Reichenau Hegnerstraße. (TT, md)

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