Gewaltsame Sozialproteste in Chile

Ein Jahr nach dem Beginn einer Protestbewegung für mehr soziale Gerechtigkeit in Chile sind Zehntausende Menschen in der Hauptstadt Santiago auf die Straße gegangen. Im Zuge der Proteste am Sonntag kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen, bei denen zwei Kirchen in Brand gesteckt wurden. Die Polizei nahm fast 600 Demonstranten fest. In der kommenden Woche stimmen die Chilenen darüber ab, ob die Verfassung des südamerikanischen Landes überarbeitet werden soll.

Die Proteste hatten in der Früh weitgehend friedlich begonnen. Bis zu 30.000 Menschen sangen und tanzten auf der Plaza Italia, dem zentralen Platz der Hauptstadt. Viele trugen Gesichtsmasken zum Schutz gegen das Coronavirus.

Gegen Abend kam es vermehrt zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Eine Kirche nahe der Plaza Italia wurde durch ein Feuer komplett zerstört. Eine weitere wurde von Vermummten geplündert und ebenfalls durch ein Feuer beschädigt. Die Polizei nahm 580 Menschen in Gewahrsam. Auch aus anderen Teilen des Landes wurden Zusammenstöße mit den Behörden gemeldet.

Viele Demonstranten forderten, bei der Abstimmung am kommenden Sonntag mit „Ja“ zu stimmen. „Das ist die Chance zu sagen: Es reicht“, sagte Paulina Villarroel, eine 29-jährige Psychologin. „Wir werden mit ‚Ja‘ stimmen.“ Die Abstimmung über die Zukunft der chilenischen Verfassung, die ein Erbe der Militärjunta von Augusto Pinochet ist, war ein Zugeständnis der Regierung nach den monatelangen Protesten im vergangenen Jahr.

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Die Proteste hatten am 18. Oktober 2019 nach einer Erhöhung der Ticketpreise im öffentlichen Nahverkehr begonnen. Die Demonstranten kritisierten dann aber auch niedrige Löhne, hohe Kosten für Bildung und Gesundheit sowie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich.

Die Kundgebungen zählten mit zwischenzeitlich mehr als einer Million Teilnehmern zu den größten in der Geschichte des Landes. Immer wieder kam es dabei zu gewalttätigen Konfrontationen zwischen Teilnehmern und den Sicherheitskräften; etwa 30 Menschen starben.


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