Amnesty: Härteste Bedingungen für Hausangestellte in Katar

Sie werden beleidigt, geschlagen, angespuckt und arbeiten oft 16 Stunden am Tag: Ausländische Hausangestellte in Katar sind laut Amnesty International häufig Misshandlungen, Erniedrigung und härtesten Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Nach Gesprächen mit 105 Frauen zieht die Organisation in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht eine düstere Bilanz: Rund 85 Prozent von ihnen sagten, selten oder nie freie Tage zu bekommen, und dass Arbeitgeber ihre Pässe einbehalten würden.

Viele erklärten auch, dass sie spät oder gar nicht bezahlt würden. In dem reichen Golf-Emirat leben laut Amnesty International rund zwei Millionen Arbeitsmigranten. Sie kommen vor allem aus armen Ländern wie Bangladesch, Nepal oder Indien. 173.000 Frauen arbeiten demnach als Hausangestellte, die Hälfte davon in Privathaushalten.

Neben den sehr schlechten Arbeitsbedingungen berichten die Frauen von verbalem oder körperlichem Missbrauch und Erniedrigung. Zwei Dutzend Frauen gaben an, kein angemessenes Essen oder nur Essensreste zu erhalten, auf dem Boden schlafen zu müssen oder dass ihnen medizinische Versorgung verweigert würde. Andere berichteten, geschlagen, sexuell missbraucht oder sogar vergewaltigt worden zu sein. Amnesty befragte für den Bericht unter anderem auch Aktivisten sowie Mitarbeiter von Botschaften der jeweiligen Herkunftsländer.

„Das ist Sklaverei, ich mache das nicht“, sagte eine ehemalige Hausangestellte der Organisation. Nach eigener Aussage arbeitete sie mehr als ein Jahr für zwei Arbeitgeber 14 Stunden täglich - ohne einen einzigen freien Tag. Sie habe insgesamt zwei Monate Lohn erhalten und sei fälschlicherweise des Diebstahls beschuldigt worden.

Als ein Grund für die schlechten Bedingungen gilt vor allem das sogenannte Kafala-System, das auch in anderen Ländern der Region verbreitet ist. Es bindet ausländische Arbeiter fest an einen einheimischen Bürgen wie einen Arbeitgeber, der etwa einem Jobwechsel zustimmen muss. Kritikern zufolge öffnet es Missbrauch Tür und Tor.

Als Gastgeber der Fußball-WM 2022 steht Katar auch international im Fokus. Nach anhaltender Kritik beschloss das Land Reformen, die die Lage der Arbeitsmigranten verbessern sollen. So können ausländische Arbeiter künftig den Job ohne Zustimmung ihres bisherigen Arbeitgebers wechseln. Zudem legte das Emirat als erstes Land der Region einen monatlichen Mindestlohn in Höhe von 1.000 Rial (etwa 230 Euro) fest. Die UNO-Arbeitsorganisation (ILO) sprach seinerzeit von einem „historischen Schritt“.

Regina Spöttl, Amnesty-Expertin für Katar, spricht trotzdem von „weitgehender Straflosigkeit“. Die Frauen erstatteten meist keine Anzeige, weil sie damit ihren rechtlichen Status, ihr Einkommen und ihre Unterkunft gefährdeten. Das Kafala-System bestehe weiter und räume Arbeitgebern „unverhältnismäßig viel Macht“ ein, sagt Spöttl.


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