Desinfektionsmittel statt Glühwein: Christkindlmärkte im Corona-Jahr

Innsbruck, Salzburg und Wien halten Christkindlmärkte unter strengen Auflagen ab. Aus Angst der Menschen vor Innenräumen werde der Andrang groß sein, glaubt man in Innsbruck. Kleinere Märkte ziehen mit.

In Innsbruck gibt es Glühwein nur im Sitzen und im Gastgarten.
© Thomas Boehm / TT

Von Jasmine Hrdina, A. Heubacher

Innsbruck, Salzburg – Über Österreichs Christkindlmärkten hängt ein riesiges Damoklesschwert – in Form eines mikroskopisch kleinen Virus. Jene Veranstalter, die sich heuer trotz Pandemie trauen, haben sich mit Covid-19-konformen Sicherheitskonzepten gerüstet – monatelange Arbeit und viel Geld stecken dahinter.

Wie berichtet, hat Innsbruck sein Sicherheitskonzept bereits auf den Tisch gelegt. Handelsstandln mit Duftkerzen und Co. wird es geben, Essen und Trinken soll in den Gastgärten der Stadt, und zwar im Sitzen stattfinden. Ein Christkindlmarkt ohne Glühwein? „Die Besucher werden kommen, weil die Menschen Angst vor Innenräumen haben“, glaubt Karl Gostner, Obmann des Innsbruck Tourismus. 60 Prozent der Christkindlmarkt-Fans sind Einheimische. Innsbruck hat zudem ein Zählsystem ins­talliert. 2000 dürfen sich in der Altstadt tummeln, 900 leben dort.

15 Millionen Euro werden laut Gostner ab Mitte November am Christkindlmarkt umgesetzt. Ein Drittel des Geldes bleibe am Markt, eines fließe in den Handel und eines in Hotels. Corona dürfte auch diese Zahlen ordentlich durcheinanderschütteln. Eine Tradition bleibt: Am 15. November kommt der Baum, daneben werden die Heizpilze aus dem Boden schießen.

Der Christkindlmarkt in der Salzburger Altstadt soll heuer „wie gewohnt“ stattfinden. Abstands- und Hygieneregeln gelten auch hier. Digitale Kamerasysteme erfassen Menschenmengen.
© Christkindlmarkt SBG/Neumayr

Schauplatzwechsel nach Salzburg: „Das Schlimmste wäre, wenn wir aufsperren und gleich danach wieder zusperren müssten“, sagt Wolfgang Haider, Obmann des Vereins Salzburger Christkindlmarkt. Dann sei das Budget für den Aufbau von 500.000 Euro plus 200.000 Euro für die Corona-Maßnahmen schon futsch. Das Weihnachtsspektakel im Herzen der Mozartstadt suchen in normalen Jahren eine Million Menschen auf, an Spitzentagen wuseln 50.000 Besucher über den Dom- und Residenzplatz.

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Der Salzburger Christkindlmarkt soll heuer von 19. November bis 26. Dezember „wie gewohnt“ stattfinden – je nach Entwicklung der epidemiologischen Lage. Desinfektionsmittelspender werden die Stände zieren, Tafeln und zweisprachige Flugblätter ebenso wie Dutzende Sicherheitskräfte vor Ort auf Hygiene- und Abstandsregeln hinweisen. Gegessen und getrunken wird wie die Jahre zuvor überall im Stehen, Sitzplätze gibt es keine. Ein Kontrastprogramm zur Innsbrucker Altstadt. „Ich kann nicht nachvollziehen, wie man freiwillig diese Gastroregel auf Weihnachtsmärkte drüberstülpt – obwohl es uns gelungen ist, dass genau diese Punkte nicht in der Verordnung drinnenstehen“, wundert sich Haider über die Veranstalter in Innsbruck.

Eine große Tradition hat der Christkindlmarkt am Rathausplatz in Wien. Er soll, wenn Corona keinen Strich durch die Rechnung macht, stattfinden. Maskenpflicht für Standler und Gäste könnte die Laune etwas dämpfen. Nur beim Konsum an Tischen darf die Maske abgenommen werden. Zugangsbeschränkungen, Ordnerdienste, Einbahnregelung und Desinfektionsmittelspender. Auf einer Fläche von 3000 Quadratmetern sei viel Bewegung an frischer Luft möglich, erklären die Veranstalter.

Bozen bastelt noch am Konzept.
© imago stock&people

Während die großen Publikumsmagnete wie Innsbruck, Wien oder Salzburg bereits grünes Licht erhalten haben, gehen kleinere Veranstalter heuer lieber auf Nummer sicher.

Der Festungszauber auf der Kufsteiner Festung wird nur rund um den Festungswirt stattfinden. In der Innenstadt sollen hie und da Standln mit Handwerkskunst Gäste anlocken. Punsch und Glühwein wird es nur in den Gastro-Gärten geben, wie Georg Hörhager, Obmann des TVB Kufsteinerland, erklärt. Man sei gerade dabei, die Wirte dahingehend zu motivieren, sagt er. „Wir sind die einzigen im Kufsteinerland, die überhaupt etwas machen. Ich glaube schon, dass wir damit die Kaufmannschaft und Innenstadthotellerie unterstützen.“

Weniger um Wirtschaftlichkeit geht es den Rattenbergern. Kerzen, Laternen und Feuerstellen sollen auch heuer Österreichs kleinste Stadt an den Adventwochenenden verzaubern. Veranstaltung mit Bühne wird es aber keine geben, die Verköstigung der Gäste haben ausschließlich die Wirtshäusern über. Der so beliebte Perchtenlauf wurde abgesagt. „Ob einzelne Perchten kommen dürfen, wissen wir noch nicht“, sagt Josef Fürst, Obmann des Kultur- und Wirtschaftsförderungsvereins Rattenberg.

Nur samstags um 15.30 bzw. 17 Uhr wird es kleine Konzerte in der Kirche des Augustinermuseums geben. „Wir rechnen nicht damit, dass das für uns ein Geschäft sein wird“, sagt Fürst, Chef im Rattenberger Brauhaus. „Wir tun das für uns selber und für die Weihnachtsstimmung – die lassen wir uns vom Virus nicht vermiesen.“

In Bozen waren die Christkindlmärkte gestern Thema in der Landesregierung. Sicherheitskonzepte braucht es auch hier, obwohl es derzeit keine Reisewarnung für Südtirol oder Italien gibt. Letztes Jahr hatte der Bozner Christkindlmarkt mehr als 635.000 Besucher. Die Mehrzahl davon aus Italien. Die Zahl der Gäste sei zuletzt gestiegen, sagt Roberta Agosti vom Bozner Verkehrsamt. „Das wird wohl heuer anders sein.“


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