Warten auf Wettkampf: Graf nimmt Verletzung nicht auf leichte Schulter

Judo-Kämpferin Bernadette Graf wartet seit acht Monaten (Februar 2020) auf einen Wettkampf. Beim Grand Slam in Budapest fällt sie verletzt aus.

Nach einer Schulterverletzung kann die Tulferin Bernadette Graf (l.) derzeit keine Gegnerinnen auf die Matte legen.
© gepa

Von Benjamin Kiechl

Innsbruck –Die Geduld von Bernadette Graf wird im Jahr 2020 auf eine harte Probe gestellt. Nachdem die Corona-Krise die Judo-Welt aus den Angeln gehoben hat und sogar die Sommerspiele in Tokio verschoben werden mussten, wartet die 28-jährige Tulferin bereits seit acht Monaten (21. Februar 2020) auf einen Wettkampf-Einsatz.

Dieses Wochenende hätte es so weit sein sollen, wenn der Judo-Weltcup-Zirkus beim Grand Slam in Budapest (HUN) sein Comeback gibt. Insgesamt zwölf heimische Athletinnen und Athleten sind dabei. Doch eine im Training erlittene Schulterverletzung zwingt Graf (Klasse bis 78 kg) zum Zuschauen. „Ich habe mir in der linken Schulter eine Sehne eingerissen“, erzählt die Olympia-Fünfte von 2016, die am vergangenen Wochenende auch bei der Staatsmeisterschaft in Oberwart pausieren musste.

Großes Fragezeichen hinter dem Saison-Höhepunkt

„Natürlich hätte ich mich gefreut, endlich wieder kämpfen zu dürfen“, sagt Graf, die wieder Wettkampfluft schnuppern will. Resigniert wirkt die Tirolerin aber dennoch nicht – dafür mischt sie schon viel zu lange an der Weltspitze mit und hat sich nach langen Verletzungspausen stets bärenstark zurückgemeldet. Der Fokus sei weiter auf den Saisonhöhepunkt, die EM in Prag, gerichtet. Ob das Event Ende November aufgrund steigender Corona-Fallzahlen in Tschechien überhaupt stattfinden wird, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. „Ich bereite mich jedenfalls so vor, als ob die EM stattfindet.“

Weiters soll vor der Weihnachtspause noch der stark besetzte Grand Slam in Tokio (JPN) über die Bühne gehen, ehe es im Frühling in die heiße Phase geht. Im Hinblick auf Olympia will Graf noch an „vier, fünf Wettkämpfen“ teilnehmen. Die Olympia-Qualifikation hat die Heeressportlerin bereits so gut wie fix in der Tasche. „Ich bin in der Weltrangliste schon jetzt sehr gut platziert und muss nicht um jeden Punkt kämpfen.“ Mit breiter Brust will sie auch diese Krise überdauern – eine Olympia-Medaille in Japan bleibt ihr Karrieretraum.

TT-ePaper testen und eine von drei Gasser Tourenrodeln gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Die TT verlost drei Gasser Tourenrodeln und 50 Thermosflaschen

🔗 >>> Graf: „Kämpfen verlernt man nicht, das ist wie Fahrradfahren“

Tirols Judo-Verbandspräsident Martin Scherwitzl hofft, dass Graf zeitnah wieder Wettkampferfahrung sammeln kann. „Das ist enorm wichtig, weil es in Österreich niemanden in ihrer Gewichtsklasse gibt.“ Im Training misst sich die Tirolerin mangels Alternativen mit den Herren. Ein internationaler Vergleich sei da umso wichtiger. „Das ist auch der Grund, warum wir auf Trainingslager nach Japan fliegen wollen. Dort gibt es Top-Gegnerinnen.“

Laut Scherwitzl funktioniere das Präventionskonzept des internationalen Judoverbandes, das sichere Bewerbe garantieren soll, jedenfalls „sehr gut“ und wird auch beim Grand Slam in Budapest angewandt: Bevor die Athleten überhaupt nach Ungarn einreisen dürfen, müssen sie binnen 48 Stunden zwei negative Corona-Tests abliefern. Unmittelbar nach der Ankunft im Hotel folgt ein weiterer Test. „Nur wenn auch dieser negativ ist, darf man überhaupt starten“, skizziert Scherwitzl.

Detail am Rande: Der Judo-Verband will kommende Woche einen neuen Head-Coach präsentieren.


Kommentieren


Schlagworte