Bilder jüdischer Familien aus NHM Wien in Berlin

Die Berliner Topographie des Terrors zeigt in einer Sonderausstellung ab Mittwoch Bilder jüdischer Familien aus dem Jahr 1942. Zwei Wiener Wissenschafterinnen fotografierten damals in der deutsch besetzten polnischen Stadt Tarnów mehr als hundert jüdische Familien. Ihr Projekt sollte der „Erforschung typischer Ostjuden“ dienen. Von den 565 Menschen überlebten nur 26 den Holocaust. Die Fotos wurden im Naturhistorischen Museum (NHM) Wien wieder entdeckt.

Margit Berner, seit 1991 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin am NHM Wien, hatte die Bilder in einem Karton in der Anthropologischen Sammlung des Museums gefunden. Sie machte in jahrelanger Arbeit einige Familien ausfindig. „Für viele waren es die ersten Fotos ihrer Angehörigen, für einige die einzigen“, heißt es in der Ankündigung der Ausstellung „Der kalte Blick“. Sie ist für NHM-Generaldirektorin Katrin Vohland nicht nur eine Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Sie sei auch ein Aufruf an die Wissenschaft, Position zu beziehen und unterschwellige Vorurteile zu identifizieren.

Die Topographie des Terrors nahe dem Martin-Gropius-Bau ist einer der meistbesuchten Erinnerungsorte in Berlin. Zur NS-Zeit waren dort die Zentralen der Gestapo, der SS und des Reichssicherheitshauptamts. Die Ausstellung zu den letzten Bildern jüdischer Familien aus dem Ghetto von Tarnów ist bis zum 11. April 2021 zu sehen. Auch Videostationen mit Zeitzeugeninterviews gehören zum Programm. Die Ergebnisse von Berners Arbeit wurden auch in dem Buch „Letzte Bilder. Die „rassenkundliche“ Untersuchung jüdischer Familien im Ghetto Tarnów 1942“ veröffentlicht.

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