Mehr als doppelt so viele Corona-Tote im Iran wie angegeben

Die Zahl der Corona-Toten im Iran ist nach Angaben aus dem Krisenstab des Landes mehr als doppelt so hoch wie vom Gesundheitsministerium angegeben. „Die amtliche Statistik müsse mit 2,5 multipliziert werden, um an die realen Zahlen zu kommen“, sagte ein Mitglied des iranischen Krisenstabs. Nach dieser Berechnung läge die Zahl der Corona-Todesfälle bei mehr als 840 pro Tag - und nicht wie vom Gesundheitsministerium angegeben bei 337. Auch in Europa steigen die Zahlen weiter.

Auch andere Gesundheitsexperten im Iran teilen die Einschätzung von Massud Mardani. Sie gehen davon aus, dass die offiziell angegebene Totenzahl deswegen noch relativ niedrig ist, weil es zu wenige Testmöglichkeiten gebe. Fachleute fordern daher eine umgehende Ausgangssperre in Großstädten, besonders in der Hauptstadt Teheran mit ihren 13 Millionen Einwohnern. Sonst könnte es zu kritischen Engpässen bei der medizinischen Versorgung und zu einem Mangel an Krankenhausbetten kommen. Präsident Hassan Ruhani aber ist aufgrund wirtschaftlicher Erwägungen weiterhin dagegen.

In Europa meldete Belgien die Annäherung an die Marke von 8.500 neuen Fällen pro Tag - und das im Wochenschnitt. In der Woche bis zum 16. Oktober registrierte das staatliche Gesundheitsinstitut Sciensano im Durchschnitt täglich 8.422 neue Ansteckungen. Das bedeutet ein Plus von 69 Prozent im Vergleich zur Woche davor.

Am Dienstag lagen 2.774 Patienten mit Covid-19 in den belgischen Kliniken, davon 446 auf Intensivstationen, wie die Nachrichtenagentur Belga meldete. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion steigt ebenfalls, wenn auch nicht so stark: Täglich sterben rechnerisch 32 Menschen in Belgien an oder mit dem Virus, 15 Prozent mehr im Vergleich zur Vorwoche.

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In den Niederlanden sind bei den Gesundheitsbehörden 8.182 Corona-Neuinfektionen in 24 Stunden gemeldet worden. Das sind 170 mehr als am Vortag und ein neuer Höchstwert, wie das Institut für Gesundheit und Umwelt RIVM am Dienstag mitteilte. Die Niederlande gehören zu den Ländern in Europa, die von der zweiten Welle der Corona-Pandemie am stärksten betroffen sind.

Die Kurve der Neuinfektionen steige aber weniger schnell an, teilte das RIVM mit. In der vergangenen Woche waren insgesamt 55.587 neue Infektionen gemeldet worden, 27 Prozent mehr als in der Vorwoche. In den Wochen zuvor waren Anstiege von rund 60 Prozent pro Woche verzeichnet worden. 6.814 Menschen sind nachweislich an dem Virus gestorben. Am 13. Oktober war in den Niederlanden ein Teil-Lockdown verhängt worden und unter anderem alle Gaststätten geschlossen worden.

Die Zahl der Corona-Infektionen in Italien ist wieder über die 10.000er-Schwelle gestiegen. Nachdem am Montag 9.338 neue Ansteckungen registriert wurden, gab es am Dienstag 10.874 Fälle. Außerdem wurden 89 weitere Todesopfer registriert, am Vortag waren es 73 gewesen. Die Zahl der Corona-Toten in Italien seit Beginn der Epidemie im Februar stieg somit auf 36.705. Innerhalb eines Tages wurden 144.000 Tests durchgeführt.

Die Regionen Lombardei und Kampanien wollen in den nächsten Tagen eine nächtliche Ausgangssperre von 23.00 Uhr bis 5.00 Uhr einführen. Die Regierung in Rom hat am Sonntagabend eine Verschärfung der restriktiven Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie angekündigt. Bars und Restaurants müssen in Italien künftig um Mitternacht schließen. Maximal sechs Gäste dürfen noch pro Tisch in den Lokalen sitzen.

Irland verschärft indessen seine Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie drastisch. In der Nacht auf Donnerstag tritt für sechs Wochen die höchste von fünf Maßnahmen-Stufen in Kraft, wie der irische Premierminister Micheal Martin in einer Rede am Montagabend ankündigte. Wer kann, muss bis zum 1. Dezember von zu Hause aus arbeiten. Nur für das tägliche Leben unverzichtbare Geschäfte wie Supermärkte dürfen noch geöffnet bleiben.

Treffen mit anderen Haushalten zu Hause oder selbst im heimischen Garten sind untersagt. Um einen kompletten Lockdown handelt es sich jedoch nicht. Die Schulen und Kindergärten im Land bleiben geöffnet. Sport im Freien darf in einem Radius von fünf Kilometern betrieben werden. Pubs, Restaurants und Cafés können zumindest Lieferdienste anbieten. Kontakte etwa zur Unterstützung von Alleinerziehenden und Senioren zwischen zwei Haushalten sind erlaubt. Auch Hochzeiten sind mit bis zu 25 Gästen noch gestattet. Das Baugewerbe soll weiter seiner Arbeit nachgehen. Der öffentliche Verkehr wird auf 25 Prozent reduziert.

Die meisten Menschen würden sich einer weltweiten Studie zufolge auf Empfehlung ihrer Regierung oder ihres Arbeitgebers gegen Covid-19 impfen lassen. 71,5 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, dass sie sehr oder eher wahrscheinlich einen Corona-Impfstoff nehmen würden. 61,4 Prozent erklärten, sie würden eine entsprechende Empfehlung ihres Arbeitgebers akzeptieren. An der Studie des Vaccine Confidence Projekts, das unter anderem von der Europäischen Kommission und Pharmaunternehmen finanziert wird, nahmen im Juni weltweit 13.000 Menschen in 19 Ländern teil.


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