Kunst von Wilfried Kirschl: Geometrien, die atmen

Wilfried Kirschls Kunst zum Nachschauen und Nachlesen oder Live-Erleben: Monografie sowie Retrospektive in der Innsbrucker Galerie Maier.

Der 37-jährige Wilfried Kirschl 1967 in seinem Atelier.
© kirschl-nachlass

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Der Plan, den 90. Geburtstag bzw. zehnten Todestag des Tiroler Malers, Grafikers und Egger-Lienz-Biografen Wilfried Kirschl mit einer umfassenden Werkschau im Innsbrucker Stadtmuseum bzw. Lienzer Schloss Bruck ganz groß zu feiern, musste auf das kommende Jahr verschoben werden. In deren Rahmen auch die groß angelegte – soeben erschienene – Monografie hätte präsentiert werden sollen, die nicht nur tief in das malerische Werk Kirschls eintaucht, sondern auch den zeichnenden und fotografierenden Spurensucher dokumentiert. Ergänzt durch ein Verzeichnis der Ölgemälde, das allein 1011 Werke umfasst, Kirschls Biografie und Bibliografie.

Raum, Licht und Volumen sind für die Herausgeber der Monografie, Carl Kraus, Walter S. Methlagl sowie Kirschl-Neffe Philipp Christoph Haas, die drei Konstanten im malerischen Werk des Boeckl-Schülers, dessen Enkel, Matthias Boeckl, in einem klugen Essay Kirschls Werk in den Kontext seiner österreichischen Zeitgenossenschaft stellt, Anreger aufspürt und Sehgewohnheiten hinterfragt, die Kirschl selbst bereits in den 1970er-Jahren als „hoffnungslos anachronistisch“ bezeichnete.

Was ihn allerdings nicht davon abhielt, zeichnend, malend und fotografierend unterwegs zu sein, besonders gern in Griechenland. Um hier zum Maler des Lichts zu werden, fange mit diesem doch erst „die Geometrie zu atmen an“, wie man in dem Beitrag von Marianne Hussl-Hörmann liest. Aber auch Wilfried Kirschl kommt in dem schön gemachten Buch reichlich selbst zu Wort, das zwar schwerpunktmäßig seinem malerischen Werk gewidmet ist, allerdings ohne sein grafisches und fotografisches kaum möglich wäre. Um sich dadurch an die Motive heranzutasten, bevor sie im Akt des Malens einer zunehmenden farbigen und formalen Reduktion unterzogen werden. Das Reale verdichtet wird, letztlich vergeistigt, zu einem höchst differenzierten Spiel mit diversen Qualitäten der Farbe Weiß.

Wer live die Kunst Kirschls erleben will, hat dazu derzeit in der Innsbrucker Galerie Maie­r Gelegenheit. Wo ein schöner Querschnitt durch dessen Œuvre zu sehen ist, angefangen mit ganz frühen, noch von kräftig expressivem Duktus durchpulst gezeichneten und gemalten Landschaften bis zu den späten, radikal reduzierten. Selbst für Kirschl-Kenner neu dürfte der Künstler als Fotograf sein. Um auch in diesem Medium sein instinktives Gespür für Komposition zu beweisen und das am liebsten im quadratischen Format und in purem Schwarzweiß.

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