Rücktritt von Gemeinderat Ostermann-Binder: Harte Kritik in Schwaz geäußert

Schwazer GR Ostermann-Binder legt sein Amt nieder. Für BM Lintner ist nach 23 Jahren Amtszeit kein Nachfolger in Sicht.

Der ÖVP-Mandatar Philipp Ostermann-Binder (r.) trat am Mittwoch im Schwazer Gemeinderat zurück.
© Fankhauser

Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Die einen haben nur darauf gewartet, die anderen waren überrascht. ÖVP-Gemeinderat Philipp Ostermann-Binder legte bei der Sitzung am Mittwoch sein Amt nieder. Der offizielle Grund lautet: sein neuer Job als Stadtamtsleiter in Wörgl. Wie man hört, hat aber auch der Umstand, dass seine Chefin, BM Hedi Wechner, SPÖ-Politikerin ist, bei den ÖVP-Parteikollegen für Unmut gesorgt.

Ostermann-Binder war bekannt dafür, nicht immer lammfromm allem zuzustimmen, was die Partei vorgab. Er vertrat seine Meinung und zählte zu den kritischen Geistern im Gemeinderat. Dass er oft aneckte, ist kein Geheimnis. Das wirft für viele Schwazer die Frage auf: Musste er deshalb gehen?

Ging in Abschiedsrede nicht auf Gründe ein

In seinen Abschiedsworten ging Ostermann-Binder nicht auf die Gründe seines Rücktritts ein. Es gab Lob für die Mitarbeiter, Dank an die Kollegen, aber auch harte Kritik. „Wer glaubt, dass Raumordnung richtig ist, wenn sie Parkhäuser in bestes Bauland hineinsetzt, versteht von Raumordnung nichts. Wer glaubt, dass es sinnvoll ist, einige wenige zu bereichern, anstatt das Gemeinwohl, versteht meiner Meinung nach von politischem Handeln wenig“, stellt Ostermann-Binder klar. Auch wenn das in seiner zehnjährigen Amtszeit die Ausnahme war, so hätten gerade die „schlechten Entscheidungen“ in der Raumordnung große Auswirkungen auf die Zukunft der Stadt und der Bürger. Zudem habe ihm in den letzten Jahren der Diskurs gefehlt. „Da, wo wir viel diskutiert haben, sind dann tolle Projekte entstanden“, sagte er.

BM Hans Lintner (ÖVP) war aufgrund verordneter Quarantäne nicht bei der Sitzung anwesend. Dafür teilte Parteikollege VBM Martin Wex dem ehemaligen Finanz-, Wohnungs- und Baureferenten seine Wertschätzung mit. Auch SPÖ und Grüne waren voller Lob. Vor allem das von ihm initiierte 5-Euro-Wohnprojekt wurde hervorgehoben. „Du warst im Diskurs ein schwieriger, aber sehr geschätzter Mitbewerber und du hast mich oft zum Nachdenken gebracht“, sagte GR Albert Polletta.

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Wie geht es mit Schwazer ÖVP weiter?

Karl Hamberger rückt nun in den Gemeinderat auf. Doch schon seit Monaten stellt sich für viele die Frage: Wie geht es mit der Schwazer ÖVP weiter? Lange hieß es, dass BM Lintner dieses Jahr an einen Nachfolger übergebe, damit dieser bei den Wahlen 2022 fest im Sattel sitze. Doch das verneinte Lintner auf TT-Anfragen stets. Es wird gemunkelt, dass er keinen „passenden Kandidaten“ in den Reihen der ÖVP sehe. Lintner ist seit 23 Jahren Stadtchef und es sieht danach aus, als wolle er verlängern. Ob Ostermann-Binder als Gegenkandidat auf der Wahlliste stehen wird – dazu wollte er kein Statement abgeben.


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