Pachterhöhung nicht zugestimmt: Axamerin kämpft um 198 Quadratmeter Wiese

Eine Mindestrentnerin soll ihre Wiese beim Haus verlieren, da sie einer 790-prozentigen Erhöhung der Pacht nicht zugestimmt hat.

Die kleine Wiese dient der Rentnerin als Erholungsraum.
© RA Lackner

Innsbruck, Axams – Auch in Gemeindeangelegenheiten kann eine Fliege schon einmal zum Babyelefanten werden. Eine Räumungsklage der Gemeindegutsagrargemeinschaft Axams gegen eine 69-jährige Mindestrentnerin zeigte dies gestern am Innsbrucker Bezirksgericht auf.

Die Gemeindebürgerin hatte vor 40 Jahren zu ihrem Haus in Hanglage von der damaligen Agrargemeinschaft ein sage und schreibe 198 m² großes Waldstück gepachtet. Nach Jahren waren dort von den Agrariern in Anwesenheit des einstigen Bürgermeisters die Bäume gefällt und die Waldparzelle in eine Wiese umgestaltet worden. Als Pachtzins waren 160 Euro pro Jahr vereinbart und diese Pacht wurde bis zum Jahr 2008 auch immer verlängert. Die Neuordnung der Tiroler Agrargemeinschaften brachte jedoch auch einen Kassasturz in Axams. Und da traf der Agrar-Substanzverwalter offenbar auf einige bereits ausgelaufene Pachtverträge.

Im Fall der Rentnerin hätte der Vertrag auch wieder neu aufgesetzt werden können – jedoch mit einer 790-prozentigen (!) Erhöhung der bisherigen Pacht. 1425 Euro sollten nunmehr bezahlt, dazu eine Kaution von 2000 Euro für die Wiese geleistet werden. Ein Schock für die alleinstehende Frau, die im Gespräch mit der TT gestern noch vor der Verhandlung versicherte, dass sie auch so schon kaum mehr ihr Haus erhalten könne. Ein Gespräch mit der Gemeindeführung hatte erst noch einen halbjährlichen Aufschub gebracht. Dann erging jedoch ein Abbruchbescheid für die kleine Hütte auf der Wiese. Das Landesverwaltungsgericht hob diesen jedoch wieder auf. „Hier wird eine 69-Jährige völlig unnötig schikaniert. Welchen Wert sollten denn diese 200 m² am Wald für die Gemeinde haben?“, so Anwalt Erich Lackner. Nun soll die Wiese jedoch endgültig bis 30. November frei gemacht werden, obwohl die Pacht für 2020 bezahlt und angenommen wurde.

Richter Peter Kuprian holt den Akt vom Verwaltungsgericht ein und wird dann schriftlich über das Räumungsansinnen entscheiden. Ein Vergleich kam bei der gestrigen Verhandlung nämlich nicht mehr zustande. So hatte die Dame die Bezahlung der doppelten Pacht angeboten. Der Substanzverwalter winkte jedoch ab. Es ginge nicht mehr ums Geld. Der Grund könnte später einmal für ein Wohnprojekt gebraucht werden. (fell)

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