Aliyev sieht geringe Chance für Frieden in Berg-Karabach

Im Ringen um ein Ende der blutigen Kämpfe in Berg-Karabach im Südkaukasus zeigt sich der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev grundsätzlich zu Gesprächen mit dem armenischen Regierungschef Nikol Paschinian bereit. Natürlich sei ein Treffen möglich, sagte der 58-Jährige am Donnerstag der japanischen Tageszeitung „Nikkei“. Zugleich dämpfte er aber die Erwartungen: „Mit dieser armenischen Regierung ist die Aussicht auf eine friedliche Lösung leider sehr gering.“

Kontraproduktive und provokative Aussagen und Handlungen der armenischen Seite machten Verhandlungen sinnlos. Aliyev schloss aber ein Referendum zur Zugehörigkeit der umkämpften Bergregion aus.

Berg-Karabach wird von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. „Alle Gebiete Aserbaidschans müssen befreit werden. Alle.“, sagte der Präsident. Sprechen könne man allein über den Zeitplan dafür. Weil Gespräche bisher nichts gebracht hätten, „befreien wir unsere Gebiete jetzt auf dem Schlachtfeld“.

Die beiden Ex-Sowjetrepubliken kämpfen seit Jahrzehnten um die Region mit etwa 145.000 Bewohnern. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Seit 1994 galt eine brüchige Waffenruhe. Seit Ende September kommt es zu neuen schweren Gefechten. Zwei vereinbarte Feuerpausen wurden bereits kurz nach Inkrafttreten gebrochen.

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Armenien sieht Russland als Schutzmacht, Aserbaidschan die Türkei als Verbündeten. „Die Türkei sollte aktiv einbezogen werden“, sagte Aliyev mit Blick auf eine Vermittlerrolle. Dagegen warf das Außenministerium Armeniens dem Nachbarland vor, mithilfe der Türkei gezielt gegen die Bevölkerung von Berg-Karabach vorzugehen. Beide Länder sollten nicht die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft untergraben, einen dauerhaften Waffenstillstand zu etablieren.

Armenien meldete am Donnerstag Gefechte entlang der gesamten Frontlinie. Aserbaidschan beschuldigte den Nachbarn etwa, zwei Raketen in die Region Kebele abgefeuert zu haben. Die Behörden in Berg-Karabach teilten mit, bisher habe es mehr als 830 getötete Soldaten gegeben. Mehr als 30 Zivilisten seien bereits ums Leben gekommen. Die aserbaidschanische Seite spricht von 63 getöteten Zivilisten, nennt aber weiter keine Todeszahlen für das Militär.


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