Putin spricht von Tausenden Toten in Berg-Karabach

Im blutigen Konflikt in Berg-Karabach im Südkaukasus geht Russlands Präsident Wladimir Putin von mittlerweile Tausenden Toten aus. Die Gesamtzahl auf beiden Seiten nähere sich bereits der 5.000, sagte er am Donnerstag in Moskau. „Es gibt viele Verluste auf beiden Seiten.“ Seit Ende September gibt es in dem Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan die heftigsten Gefechte seit Jahren. Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev sieht in des nur geringe Friedenschancen.

Die Behörden in Berg-Karabach teilten mit, dass bisher 874 Soldaten getötet worden seien. Zudem seien bereits mehr als 30 Zivilisten gestorben. Die aserbaidschanische Seite spricht von 63 getöteten Zivilisten, nennt aber weiter keine Todeszahlen für das Militär. Putin setzt nun auch auf den Einfluss der USA zur friedlichen Lösung des Konflikts. „Ich hoffe sehr, dass unsere amerikanischen Partner gemeinsam mit uns handeln und bei der Beilegung helfen werden“, sagte er beim sogenannten Waldai-Klub. Hintergrund sind geplante Gespräche der Außenminister von Armenien und Aserbaidschan in Washington.

Es gab bereits zwei Waffenruhen, die jeweils kurz nach Inkrafttreten gebrochen wurden. Dafür gaben sich beide Seiten gegenseitig die Verantwortung - ebenso wie für den Ausbruch der Kämpfe. Die erste Feuerpause wurde unter Vermittlung Russlands beschlossen. Armenien sieht Russland als seine Schutzmacht an. Aserbaidschan sieht die Türkei als seinen wichtigsten Verbündeten.

Im Ringen um ein Ende der blutigen Kämpfe zeigt sich der aserbaidschanische Präsident Aliyev grundsätzlich zu Gesprächen mit dem armenischen Regierungschef Nikol Paschinian bereit. Natürlich sei ein Treffen möglich, sagte der 58-Jährige am Donnerstag der japanischen Tageszeitung „Nikkei“. Zugleich dämpfte er aber die Erwartungen: „Mit dieser armenischen Regierung ist die Aussicht auf eine friedliche Lösung leider sehr gering.“

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Kontraproduktive und provokative Aussagen und Handlungen der armenischen Seite machten Verhandlungen sinnlos. Aliyev schloss aber ein Referendum zur Zugehörigkeit der umkämpften Bergregion aus. Berg-Karabach wird von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. „Alle Gebiete Aserbaidschans müssen befreit werden. Alle.“, sagte der Präsident. Sprechen könne man allein über den Zeitplan dafür. Weil Gespräche bisher nichts gebracht hätten, „befreien wir unsere Gebiete jetzt auf dem Schlachtfeld“.

Die beiden Ex-Sowjetrepubliken kämpfen seit Jahrzehnten um die Region mit etwa 145.000 Bewohnern. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Seit 1994 galt eine brüchige Waffenruhe. Seit Ende September kommt es zu neuen schweren Gefechten.


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