Mehr als 50 Millionen US-Amerikaner haben schon gewählt

Bei der US-Präsidentschaftswahl haben schon mehr als 50 Millionen Bürger ihre Stimme vor dem eigentlichen Wahltermin am 3. November abgegeben - eine Rekordzahl. Laut dem US Elections Project der Universität von Florida schickten bis Freitag mehr als 35 Millionen Menschen ihren Wahlzettel per Post ein. Mehr als 15 Millionen weitere Bürger machten von der Möglichkeit Gebrauch, ihre Stimme schon im Vorfeld persönlich in einem Wahllokal abzugeben.

Das sogenannte Early Voting erreicht in diesem Jahr auch angesichts der Corona-Pandemie Rekordwerte: Viele Wähler wollen am 3. November den Gang in volle Wahllokale und damit ein potenzielles Ansteckungsrisiko vermeiden.

Die bisher mehr als 50 Millionen Wählerstimmen entsprechen rund 37 Prozent aller bei der Wahl 2016 abgegebenen Stimmen. Laut dem US Elections Project wurden zudem zum jetzigen Zeitpunkt mehr Stimmen abgegeben, als 2016 insgesamt im Vorfeld des eigentlichen Wahltermins (rund 47 Millionen). Allerdings sind in dieser Zahl nicht sämtliche Briefwahlstimmen der letzten Präsidentschaftswahl enthalten.

Vor allem Anhänger der Demokraten von Präsidentschaftskandidat Joe Biden geben im Vorfeld des eigentlichen Wahltermins ihre Stimme ab. Das bedeutet aber nicht, dass die Republikaner von Amtsinhaber Donald Trump das am 3. November nicht ausgleichen könnten.

Derzeit sehen Umfragen einen deutlichen landesweiten Vorsprung für Biden. Auch in den besonders umkämpften Schlüsselstaaten wie Pennsylvania und Florida hat der frühere Vizepräsident die Nase vorn, allerdings sind die Rennen hier deutlich enger.

Der US-Botschafter in Österreich, Trevor Traina, sieht indessen die Präsidentschaftswahlen Anfang November weiter als offenes Rennen. „Ein Ausgang ist sehr schwer vorherzusagen“, sagte der Republikaner und Anhänger von Amtsinhaber Donald Trump am Donnerstag in Wien. „Jeder, der etwas anderes sagt, lügt.“ Es könne freilich sein, dass sich die Auszählung oder Entscheidung in wahlentscheidenden „Battleground States“ lange hinziehen werde.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass sich ein endgültiges Ergebnis wie bei den Wahlen im Jahr 2000 verzögern werde, sagte der 52-jährige Unternehmer und Diplomat. Damals hatte die Auszählung in Florida, einem besonders umkämpften „Swing State“ mehr als ein Monat gedauert, ehe dem republikanischen Kandidaten George W. Bush der Sieg über den Demokraten Al Gore zugesprochen wurde.

Dass aktuell die meisten Umfragen vor den Wahlen den demokratischen Bewerber Joe Biden vorne sehen, sei nicht wirklich verlässlich, zeigte sich Traina überzeugt. Bei diesen müssten eigentlich Faktoren wie neue Wählerregistrierungen oder frühe Stimmabgabe per Brief mehr berücksichtigt und analysiert werden, als dies tatsächlich der Fall sei. Bisher hätten traditionell eher Demokraten ihre Stimmen per Brief abgegeben. Es könne aber durchaus sein, dass dieses Mal insbesondere in „Battleground States“ mitunter sogar mehr Republikaner als Demokraten von dieser Möglichkeit Gebrauch machen werden. „Diese Staaten sind alle noch sehr im Spiel“, hielt der Botschafter fest. Daher würden die beiden Kandidaten in Wahrheit auch viel enger beieinander liegen, als es die Umfragen derzeit vermuten ließen.

Dass sich letztlich ein Kandidat schon vor dem Ende der Auszählung zum Präsidenten proklamieren oder das Ergebnis nicht anerkenne könnte, schloss Traina praktisch aus. Auch bei Trump: „Da habe ich null Besorgnis“. Er vertraue zu hundert Prozent dem demokratischen System der USA. „Der amerikanische Wahlprozess ist der transparenteste der Welt.“ Auch seitens der Bevölkerung werde das Ergebnis, sobald es offiziell verkündet sei, akzeptiert werden, gab sich der Botschafter überzeugt. Dass eine Minderheit sich gegen eine „Niederlage“ sträube, habe auch der Wahlsieg Trumps vor vier Jahren gezeigt. Damals sei eine Bewegung mit dem Slogan „Not my President“ entstanden. Ähnliches könne es auch diesmal geben, letztlich würden solche Entwicklungen aber nicht ins Gewicht fallen.


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