Corona-Pandemie hat Europa weiter fest im Griff

In Europa gibt es aufgrund steigender Corona-Fallzahlen immer mehr Einschränkungen des öffentlichen Lebens. In Slowenien etwa dürfen Bürger die eigene Gemeinde ab Dienstag nicht mehr ohne triftigen Grund verlassen. Bayern führt in einem weiteren Landkreis strenge Ausgangsbeschränkungen ein. Die schwer betroffenen Länder Belgien und Tschechien melden trotz immer strengerer Maßnahmen weiter viele Neuinfektionen. In Italien nehmen die Proteste gegen die Einschränkungen zu.

Schon seit einer Woche sind Bewegungen zwischen Sloweniens zwölf Regionen nicht mehr erlaubt. Ebenfalls seit einer Woche gilt eine nächtliche Ausgangssperre von 21.00 bis 06.00 Uhr. Seit dem Wochenende sind Geschäfte - außer etwa Lebensmittelläden - und Hotels geschlossen. Die neue Regelung, wonach die eigene Gemeinde nicht mehr ohne triftigen Grund verlassen werden darf, gilt zunächst für sieben Tage. Sie tritt am Dienstag in Kraft. Das kleine EU-Land meldete am Samstag 1.675 Neuinfektionen an einem Tag, doppelt so viele wie eine Woche zuvor.

Trotz Ausgangsbeschränkungen bleiben die Neuinfektionen in Tschechien auf einem dramatisch hohen Niveau. Am Sonntag kamen 7.301 bestätigte Fälle hinzu, wie das Gesundheitsministerium in Prag am Montag bekanntgab. Das war die höchste Zahl an einem Sonntag seit Beginn der Pandemie. An Wochenenden wird grundsätzlich weniger getestet. Regierungschef Andrej Babis schwor die Bevölkerung in einem Social-Media-Video auf weitere Einschränkungen und eine Verlängerung des Notstands ein. Bereits seit Donnerstag ist die Bewegungsfreiheit der Menschen eingeschränkt. Zudem sind die Schulen sowie die meisten Geschäfte geschlossen.

Angesichts extrem gestiegener Corona-Zahlen gelten nun auch im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn ab Dienstag um 0.00 Uhr strikte Ausgangsbeschränkungen, eilte am Montag ein Sprecher des Landratsamtes in Pfarrkirchen mit. Vergangenen Dienstag wurden bereits im Berchtesgadener Land an der Grenze zu Österreich ähnliche Ausgangsbeschränkungen verhängt, weil es Werte von fast 300 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von einer Woche gab.

Auch die Schweizer Regierung hat weitere Schritte zur Eindämmung der Pandemie angekündigt. Innenminister Alain Berset stimmte die Bevölkerung angesichts der stark steigenden Fallzahlen am Montag zudem auf lange andauernde Einschränkungen ein, über die am Mittwoch entschieden werden soll. Im Schnitt gab es in der Schweiz seit Freitag 5.813 Neuinfektionen pro Tag.

Das schwer betroffene Belgien meldet unterdessen einen neuen Höchststand an Neuinfektionen. Für Dienstag voriger Woche (20. Oktober) belaufe sich die Zahl nach neuen Berechnungen auf 18.217, sagte der Sprecher des Krisenzentrums, Yves van Laethem, am Montag vor der Presse in Brüssel. Der Wert für den 20. Oktober war am Wochenende zunächst mit 15.432 angegeben worden. Bisher sind in dem 11,5 Millionen-Einwohner-Land 10.810 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben.

Im Kampf gegen die Pandemie traten am Montag in der Region Brüssel abermalige Verschärfungen der Regeln in Kraft. So gilt dort nun überall Maskenpflicht, die nächtliche Ausgangssperre beginnt bereits um 22.00 Uhr statt um Mitternacht. Die flämische Regionalregierung wollte am Dienstagabend über Maßnahmen beraten. Der Ministerpräsident Walloniens, Elio Di Rupo, schloss am Montag nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga „zusätzliche Maßnahmen“ nicht aus.

In Italien mehren sich Protestdemonstrationen gegen die von der Regierung neu beschlossenen restriktiven Maßnahmen zur Eingrenzung der Coronavirus-Pandemie. Eine Gruppe schwarz gekleideter Personen versammelte sich etwa am Sonntagabend vor dem Sitz der Region Lombardei in Mailand und protestierte gegen die Sicherheitsvorkehrungen. Zu ähnlichen Demonstration kam es auch in Neapel. In Catania wurden Knallkörper gegen den Polizeisitz geworfen. Im sizilianischen Syrakus demonstrierten hunderte Menschen gegen die Schließung der Lokale um 18.00 Uhr, sowie gegen die komplette Sperre von Kinos, Theatern, Sportzentren und Schwimmhallen.

Die Regierung in Rom verurteilte die gewaltsamen Proteste. „Wer die Sicherheitskräfte angreift, ist ein Feigling“, kommentierte Außenminister Luigi Di Maio, Spitzenpolitiker der stärksten italienischen Regierungspartei „Fünf Sterne“. Regierungschef Giuseppe Conte warnte davor, dass Protestbewegungen von rechtsradikalen und umstürzlerischen Gruppen unterwandert werden könnten.

Die Bewohner der australischen Metropole Melbourne können hingegen aufatmen. Nach fast vier Monaten wird der wegen des Coronavirus verhängte Lockdown aufgehoben. Nachdem erstmals seit Anfang Juni keine täglichen Neuinfektionen oder Todesfälle registriert wurden, endet die Ausgangssperre um Mitternacht in der Nacht auf Mittwoch, wie die Behörden am Montag mitteilten. Restaurants, Schönheitssalons und Einzelhandelsgeschäfte in der zweitgrößten Stadt des Landes dürfen wieder öffnen.


Kommentieren


Schlagworte