Trump spielt Corona herunter und macht Medien verantwortlich

US-Präsident Donald Trump hat die Gefahr des Coronavirus erneut heruntergespielt und den Medien vorgeworfen, die Pandemie aus politischen Gründen aufzubauschen. Die Anzahl der Neuinfektionen steige nur, weil in den USA so viel getestet werde, erklärte Trump am Montag in einem Tweet. Er sprach von einer „Verschwörung der Fake News Medien“. US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden warf Trump zuletzt vor, vor dem Coronavirus kapituliert zu haben.

Die „korrupten“ und falsch informierenden Medien schlachteten die Pandemie gezielt bis zur Wahl am 3. November aus, um ihm zu schaden, schrieb Trump. „Am 4. November wird sich das Thema völlig verändern.“

Die Anzahl der täglich gemeldeten Corona-Neuinfektionen ist in den USA zuletzt auf rund 70.000 gestiegen. Der Anstieg ist damit deutlich schneller als jener der Tests. Experten warnen, dass die USA mit Beginn der kalten Jahreszeit vor einer neuen Corona-Welle stehen. Ein plötzliches Verschwinden der Pandemie als Top-Thema in den US-Medien nach der Wahl scheint daher extrem unwahrscheinlich. In den USA, einem Land mit 330 Millionen Einwohnern, gibt es Daten der Universität Johns Hopkins zufolge bisher 8,6 Millionen bestätigte Infektionen und 225.000 Todesfälle - mehr als in jedem anderen Land.

In seinen Tweets erneuerte Trump auch seine Aussage, wonach „junge Menschen“ nach einer Covid-19-Erkrankung „sehr schnell wieder gesund werden“. Renommierte Gesundheitsexperten haben dieses von Trump wiederholt angeführte Argument als irreführend und gefährlich bezeichnet. Schwere Krankheitsverläufe bei Jüngeren sind selten, aber nicht unmöglich. Zudem können sie ältere Personen oder Menschen mit Vorerkrankungen anstecken, für die Covid deutlich gefährlicher ist.

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Biden warf Trump vor, vor dem Coronavirus kapituliert zu haben. Auslöser waren Äußerungen von Trumps Stabschef Mark Meadows, aus denen hervorging, dass das Weiße Haus aktuell eher auf eine Behandlung von Erkrankten als auf Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des Virus vertraut.

„Wir werden die Pandemie nicht kontrollieren“, sagte Meadows am Sonntag in einem Live-Interview des Nachrichtensenders CNN. Das sei so, weil man es mit einem hochansteckenden Virus wie der Grippe zu tun habe, argumentierte Meadows. Dabei blieb in dem abschnittsweise hitzigen Austausch mit CNN-Moderator Jake Tapper offen, ob Meadows damit sagen wollte, dass die Corona-Ausbreitung schwer unter Kontrolle zu bekommen sei - oder ob das Weiße Haus es gar nicht erst versuchen wolle. „Was wir unter Kontrolle haben werden, ist die Tatsache, dass wir Impfstoffe, Medikamente und andere Maßnahmen zur Linderung bekommen“, sagte Trumps Stabschef.

Biden bezeichnete Meadows‘ Äußerungen als Eingeständnis, dass Trumps Regierung „selbst den Versuch aufgegeben hat, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen“. Trump behauptete unterdessen bei einem Wahlkampfauftritt am Sonntag erneut, die USA würden in der Corona-Krise bald über den Berg sein. „Wir biegen um die Kurve, wir haben die Impfstoffe, wir haben alles. Wir biegen um die Kurve. Selbst ohne die Impfstoffe biegen wir um die Kurve. Es wird vorbeigehen“, sagte der Präsident im Bundesstaat New Hampshire. Die Zahl der Corona-Toten überschritt am Sonntag unterdessen die Marke von 225.000.

Die Impfstoffe sind unterdessen noch in der Testphase. Die Experten der US-Regierung gehen davon aus, dass erst im Frühling ausreichend Impfdosen für alle Amerikaner zur Verfügung stehen werden.

In der Zwischenzeit nahm Trump Abstand von der Presbyterianischen Kirche und bezeichnete sich offiziell nun als konfessionell nicht gebunden. „Obwohl ich als Kind in einer presbyterianischen Kirche konfirmiert wurde, betrachte ich mich jetzt als einen nicht konfessionellen Christen“, teilte er laut Kathpress dem „Religion News Service“ schriftlich auf die Frage mit, ob er ein Evangelikaler sei. Trump hatte wiederholt diffuse Angaben zu seiner religiösen Identität gemacht.

Als Begründung verwies er auf persönliche Erfahrungen mit unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften, insbesondere während der Corona-Pandemie. Er und seine Frau Melania hätten während dieser Zeit virtuell an Gottesdiensten mehrerer Glaubensgemeinschaften teilgenommen. 2015, einen Monat vor Bekanntgabe seiner Kandidatur für das Präsidentenamt, präsentierte er sich als „der beste Vertreter der Christen im Weißen Haus“. 2011 bezeichnete er sich als „Gläubigen“.

Die Presbyterianische Kirche zählt zu den protestantischen Volkskirchen. Sie gehört zu den reformierten Kirchen des Protestantismus, deren Ursprung auf den Schweizer Reformator Johannes Calvin (1509-1564) zurückgeht.


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