Nächtliche Ausgangssperre in Tschechien

Angesichts steigender Corona-Zahlen hat Tschechien erstmals eine nächtliche Ausgangssperre eingeführt. Zum Start gilt sie ab Mittwoch jeweils zwischen 21.00 Uhr und 5.00 Uhr - in dieser Zeit dürfen die Menschen ihre Häuser nicht verlassen. Die Regierung begründete den Schritt damit, dass private Feiern und Treffen verhindert werden sollen. Indes muss Gesundheitsminister Roman Prymula nach einem Verstoß gegen die von ihm selbst erlassenen Corona-Maßnahmen seinen Posten räumen.

Präsident Milos Zeman werde Prymula entlassen und am Donnerstag den Arzt Jan Blatny zu seinem Nachfolger ernennen, teilte ein Sprecher des Präsidenten mit. Blatny ist der stellvertretende Leiter eines Krankenhauses in der zweitgrößten Stadt Brünn und hat bisher keine politische Erfahrung.

Im Kampf gegen die zweite Corona-Welle will die französische Regierung die Schraube weiter anziehen. Neue Maßnahmen seien unerlässlich, teilte Premierminister Jean Castex mit. Ins Detail ging er dabei nicht. Staatschef Emmanuel Macron werde sich am Mittwochabend an seine Landsleute wenden, hieß es in Kreisen des Elyseepalastes ohne weitere Einzelheiten.

Litauen stellt an diesem Mittwoch unter anderem die drei größten Städte - Vilnius, Kaunas und Klaipeda - unter Quarantäne. Hier gelten eine Maskenpflicht in nahezu allen öffentlichen Räumen sowie strengere Einschränkungen für das Kultur-, Freizeit- und Sportleben. In Norwegen sind die Menschen nun angehalten, nicht mehr als fünf Gäste in den eigenen vier Wänden zu begrüßen. Die Regierung in Lettland setzte am Dienstag die erlaubte Teilnehmerzahl bei privaten Feiern auf zehn Personen herab. Bei öffentlichen Veranstaltungen dürfen sich in dem baltischen EU-Land künftig nicht mehr als 300 Personen zusammenfinden. Beide Regeln gelten vom 30. Oktober an für den Innen- und Außenbereich.

EU-Ratschef Charles Michel forderte im Kampf gegen die Coronakrise dringend eine gemeinsame Linie der 27 EU-Staaten bei Quarantäneregeln, Tests und Tracing-Apps. Bisher habe man noch nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt, kritisierte Michel. Jetzt sei entschlossenes Handeln gefordert. „Jeder Tag zählt.“

Michel äußerte sich vor dem für Donnerstag geplanten Corona-Videogipfel der EU-Staats- und Regierungschefs äußerst besorgt. „Die Situation eskaliert von besorgniserregend zu alarmierend“, schrieb der Ratspräsident in einem Newsletter. „Jetzt müssen wir eine Tragödie verhindern.“ In Brüssel will sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Mittwochmittag zu einer besseren Abstimmung der EU-Staaten bei Gesundheitsmaßnahmen äußern.


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