Heimausbau Zams-Schönwies sprengt die Finanzen: Notbremse

Statt 15,5 Mio. Euro hätte der Ausbau des Seniorenzentrums Zams-Schönwies 23 Mio. Euro gekostet. Die beiden Gemeinden zogen in einer gemeinsamen Sitzung die Notbremse.

Die Planungen des Architekturbüros Xander aus Feldkirch wurden 2019 in einem Architektenwettbewerb zum Siegerprojekt gekürt. Doch inzwischen weiß man: Es ist für die Gemeinden nicht finanzierbar.
© Wenzel

Von Matthias Reichle

Schönwies, Zams – „Die Kostenwahrheit hat uns eingeholt“, erklärt der Zammer Bürgermeister Siggi Geiger. Seit rund zehn Jahren wurde der Aus- und Neubau des Seniorenzentrums Zams-Schönwies vorbereitet. Dienstag Abend haben die beiden Gemeinden nun in einer gemeinsamen Sitzung die Notbremse gezogen und das geplante Vorhaben zu Grabe getragen.

Es waren finanzielle Gründe, die das Aus besiegelten. Zuletzt standen die Signale auf Grün. Erst im vergangenen Jahr hatte man in einem Architektenwettbewerb ein Siegerprojekt gekürt. Aus 42 Einreichungen wurde jenes vom Architekturbüro Xander aus Feldkirch ausgewählt. Wie sich jetzt zeigt, war es allerdings für die Gemeinden nicht finanzierbar.

Geplant waren ein Abriss und Neubau des bestehenden Gebäudes mit einer Erweiterung von 30 auf 60 Betten, um den steigenden Bedarf in den beiden Gemeinden abdecken zu können. Zusätzlich solle eine Übergangspflege mit weiteren 20 Betten kommen. Zum Jahreswechsel rechnete man, dass das Vorhaben in 20 Monaten baureif sei.

Nun die Ernüchterung: „Die ursprüngliche Schätzung für den Heimausbau belief sich auf 15,5 Mio. Euro“, so Geiger. Der Wettbewerbssieger wurde noch 2019 aufgefordert, einen Finanzplan für sein Projekt vorzulegen – der lag dann bereits bei 20,2 Mio. Euro. Nachdem die Umsetzung dreieinhalb bis vier Jahre dauern würde, dürfte dieser Preis mit dem Baukostenindex auf 23 Mio. Euro klettern. Die Gemeindeaufsicht der Bezirkshauptmannschaft wurde ins Boot geholt. „Die Verschuldung würde uns über Jahre belasten“, so Geiger. Der Verschuldungsgrad ginge im Fall von Zams in Richtung 90 Prozent und wäre bei Schönwies noch darübergerutscht, erklärt er. Man habe alles versucht, um die Kosten zu reduzieren. Es gab zudem das Risiko, dass das Projekt aufgrund der hohen Kosten nicht mehr in die Richtlinien der Wohnbauförderung gefallen wäre.

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Der Abbruch kam nun, bevor mit der Bestellung eines Projektmanagers weitere Kosten entstanden wären – denn die sind bereits beträchtlich. 148.000 Euro flossen insgesamt in den Architektenwettbewerb, wobei das Land 30.000 Euro förderte, erklärt der Zammer Bürgermeister. Dazu kommen noch 23.000 Euro für den Projektmanager und die bereits geleistete Arbeit des Architekten – hier rechnet Geiger mit 40.000 bis 50.000 Euro. „Das sind Schritte, die man gehen muss“, rechtfertigt er die Ausgaben. „Wir fangen jetzt neu an und schauen, welche Varianten möglich sind.“ Das alte Projekt ist passé. Aktuell würden die Kapazitäten des bestehenden Altenheimes noch ausreichen. Wobei Bewohner zum Teil bereits auswärts untergebracht werden mussten.

„Wir hatten eigentlich gar keine andere Wahl“, betont der Zammer FPÖ-Mandatar Mathias Venier mit Verweis auf die Zahlen. Er sieht die Verantwortung für die Entwicklung beim Land. „Das hat der Gemeinde immer neue Vorgaben gemacht, bis das Ganze nicht mehr finanzierbar war“, betont er. Es sei viel Steuergeld verbrannt worden – nun heiße es zurück an den Start. Große Fehler sieht auch SPÖ-Gemeinderat Armin Rudig nicht. „Das alte Heim ist sanierungsbedürftig“, erklärt er. Es gebe nun auch Überlegungen, das Haus am Standort gemeinsam mit Fließ zu erweitern.

Die Abstimmung der Gemeinderäte fiel einstimmig aus. Besonders war diesmal auch die Art der Sitzung. Die Gremien trafen sich dazu im Gemeindesaal in Schönwies. „Die Beschlüsse fassten sie formal aber separat“, so Geiger.


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