Nervöser Rodionov scheidet im Wien-Achtelfinale aus

Jurij Rodionov hat das emotionale Hoch nach dem Auftaktsieg über den Weltranglisten-12. Denis Shapovalov nicht ins Wien-Achtelfinale mitnehmen können. Der 21-jährige Niederösterreicher, seit Kurzem in Wien lebend, musste sich am Donnerstag dem Briten Daniel Evans trotz Führung in beiden Durchgängen nach 1:42 Stunden mit 5:7,3:6 geschlagen geben. Rodionov konnte dennoch zufrieden bilanzieren, wird er doch im nächsten ATP-Ranking um Platz 145 und so gut wie noch nie liegen.

„Ich war heute ein bisschen zu nervös, nervöser als in der ersten Runde“, meinte Rodionov schon im Interview mit ServusTV. Die Erwartungshaltung an sich selbst war nach dem Sieg über Shapovalov wohl auch größer. „Das Match heute war mental viel schwieriger, weil gegen Shapovalov bin ich einfach ohne Erwartungen reingegangen, wollte einfach mein Spiel zeigen und das Publikum begeistern. Heute wollte ich gewinnen, weil einfach die Chance groß war“, konstatierte Österreichs Nummer 3 später in der Pressekonferenz beim Erste Bank Open.

Die Gedanken an ein durchaus mögliches, erstes Viertelfinale bei einem ATP-500-Turnier seien schon da gewesen. Vor allem wenn man sich andere mögliche Gegner angeschaut habe. „Vom Papier her, hat mein Los ziemlich gut ausgeschaut, das hat mich ein bisschen unter Druck gesetzt.“

Könnte er das Rad zurückdrehen, so Rodionov auf ServusTV, dann „wäre ich mit zwei Eiern mehr aufgestanden. Ich bin gar nicht wütend, weil ich verloren haben, sondern weil ich nicht mein Spiel spielen konnte“.

Rodionov war ambitioniert und eigentlich nach außen gar nicht nervös wirkend ins Match gestartet. Er holte sich gleich im Auftaktgame das Break und ging nach sechs Minuten mit 2:0 in Führung. Doch Evans nutzte dann seinen dritten Rebreak-Ball zum 2:2. Danach ging es mit dem Aufschlag bis zum 5:4, als Rodionov bei 0:40 plötzlich drei Break- und Satzbälle abwehren musste. Das Kunststück gelang, doch beim Stand von 6:5 nutzte der Weltranglisten-33. aus Großbritannien seine vierte Möglichkeit zum 7:5 nach 64 Minuten.

Im zweiten Satz verwertete Rodionov seinen ersten Breakball zur 3:2-Führung und schöpfte Hoffnung. Die vermeintliche Chance zum Satzausgleichstand vergab der 21-jährige Wahl-Wiener aber leichtfertig. Mit zwei Doppelfehlern en suite ermöglichte er Evans ein „billiges“ Rebreak zum 3:3. Als der Schützling von Javier Frana unter den Fittichen von Wolfgang Thiem dann erneut den Aufschlag zum 3:5 abgeben musste, war das Schicksal (fast) besiegelt. Zwei Rebreakchancen zum 4:5 blieben ungenutzt, Evans nutzte hingegen seinen ersten Matchball zum Aufstieg ins Viertelfinale gegen Stefanos Tsitsipas (GRE-3) oder Grigor Dimitrow (BUL).

Rodionov bilanzierte dennoch mit der Erkenntnis „mit den besten Spielern mitspielen“ zu können. „Das war ein Riesensprung mental.“ Rodionov hatte sich zuletzt in Roland Garros für den Hauptbewerb qualifiziert und dann nach Abwehr eines Matchballs Jeremy Chardy (FRA) seinen ersten Tour- und auch Grand-Slam-Level-Sieg gefeiert.

Für den gebürtigen Nürnberger mit weißrussischen Eltern geht es noch mit vier geplanten Challenger-Auftritten weiter. Eckenthal, Bratislava sowie Turniere in Italien und Frankreich stehen noch auf dem Programm.

Mit Lorenzo Sonego (ITA), der sich zweimal 7:6 gegen Hubert Hurkacz (POL) durchsetzte, steht hingegen ein Lucky Loser im Viertelfinale. In diesem trifft Sonego am Freitag auf Topstar Novak Djokovic. Aus dem erwarteten „Kracher“ zwischen dessen Landsmann Jannik Sinner und Andrej Rublew (RUS-5) wurden nur drei Games, Sinner musste beim Stand von 1:2 wegen einer Verletzung am rechten Fuß aufgeben. Rublew wartete damit im Viertelfinale auf den Sieger des Abend-Matches zwischen Titelverteidiger Dominic Thiem und Cristian Garin.


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