Rosmarie Gunitzberger: „Erler hatten Gottvertrauen – und es ging gut aus“

Rosmarie Gunitzberger ist viel gereist. Doch es war ein Tiroler Dorf, das sie besonders in seinen Bann zog. Geheimnisse eines „Weltdorfs mit vielen Facetten“.

Die halbe Welt bereist – an Erl einen Narren gefressen: Rosmarie Gunitzberger war von der Entwicklung Erls dermaßen fasziniert, dass sie historische Fakten und Zusammenhänge in einem Buch verewigte.
© Hrdina

Von Jasmine Hrdina

Erl – Das Reisen dominierte ihr Leben. Rosmarie Gunitzberger kam als Reiseführerin, Übersetzerin und Vorstandssekretärin mehrerer Konzerne viel herum – von Sydney bis Paris. Für ein Jahr lang ging sie als Sekretärin sogar Rennfahrerlegende und Gründer einer Fluggesellschaft Niki Lauda zur Hand. Doch es war ein kleines Dorf am Rande Tirols, dessen Geschichte und Geheimnisse die geborene Kolsasserin dermaßen in ihren Bann zogen, dass sie diese nun in einem Büchlein verewigt. Auf 66 Seiten nimmt Gunitzberger die Leser in kurzweiligen Abrissen mit auf „Eine Reise durch Erl“ – ein „Weltdorf mit vielen Facetten“, wie sie im Titel vorausschickt.

„Ich habe mich gefragt, warum ausgerechnet in diesem Dorf zwei so imposante Spielstätten stehen“, schildert die 60-Jährige, wie sie vor fünf Jahren die Neugier packte. Damals heuerte die derzeit in Kufstein lebende Tirolerin beim Tourismusverband Kufsteinerland an, betreute bis zur kürzlich erfolgten Pensionierung Gäste in den Büros von Erl, Niederndorf und Ebbs und übersetzte Texte.

Von Erl selbst wusste sie damals kaum etwas. Dass die 1500-Einwohner-Gemeinde in der internationalen Kulturszene mitmischt, war ihr irgendwie bekannt. Die Liebe zur klassischen Musik weckte ein Bekannter in Wien, sagt die Mutter eines Sohnes. Bei ihrem ersten Konzertbesuch im Erler Festspielhaus war sie von dieser klang- und glanzvollen Welt tief beeindruckt. „Ich bin die Treppen hinaufgegangen, vor mir stand dieses erhabene Haus. Alle waren festlich gekleidet, dann trat ich in das helle Foyer ein. Das hat mich im ersten Moment fast ein wenig erschlagen“, flammen die Bilder vor ihrem geistigen Auge wieder auf. Die Musik – Werke verschiedener russischer Komponisten standen auf dem Programm – habe sie dermaßen berührt. „Ich dachte, wie kann es sein, dass in einem so kleinen Dorf so tolle Musik gespielt wird?“

Von der Geschichte der Passionsspiele, die bis ins Mittelalter reicht, über die Innschifffahrt, die letztlich Arbeit und Wohlstand nach Erl brachte, bis zu den Hauben-prämierten Wirtshäusern gibt Gunitzberger in ihrem Büchlein Einblicke in das Leben der Gemeinde – damals wie heute.

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Verrät aber auch kleine Geheimnisse, etwa, dass es in der Wiener Votivkirche ein bunt bemaltes Glasfenster mit einer Szene der Erler Passionsspiele gibt. Oder, warum viele Straßenlaternen in Erl individuelle Ornamente tragen. „Die Einwohner konnten sich diese kaufen, so wurde die Beleuchtung finanziert“, erklärt die Autorin. So findet man vor einer Bäckerei etwa eine Ähre, vor dem Musikvereinshaus ziert ein Schlüssel die Laterne. Was Gunitzberger am meisten fasziniert? „Die Erler haben seit jeher Gottvertrauen gehabt – und es ist immer gut ausgegangen!“ Diesen Schluss zieht sie u. a. daraus, dass sich 40 Einwohner 1912 privat überschuldeten, nur um ein neues Passionsspielhaus bauen zu können.

Unterstützung bei ihren Recherchen bekam Gunitzberger vom Erler Ortschronisten Peter Kitzbichler. „Ohne ihn hätte ich das nie geschafft“, ist ihm ihr Dank sicher. Ebenso wie der Dorfgemeinschaft. Wien, Sydney, Paris – 37 Jahre lang lebte die Reisefreudige nicht in Tirol, „die Erler haben mich so herzlich aufgenommen. Ich hoffe, mit dem Büchlein kann ich ihnen etwas zurückgeben.“ Zwar gibt es eine Ortschronik, aber die ist sehr umfangreich und detailliert. „Uns haben oft Gäste gefragt, ob es nicht eine Broschüre gibt, die das Wichtigste über Erl zusammenfasst.“

Erhältlich ist das Büchlein für 11,90 Euro bei Tyrolia Innsbruck, im Gemeindeamt Erl, beim TVB Kufsteinerland, in Kufsteiner Buchhandlungen und bei Morawa in Wien.

240 Stunden saß Gunitzberger am Text für ihre erste Publikation. Und die Tasten auf ihrem Computer glühen schon wieder: In ihrem nächsten Buch will die Weltenbummlerin ihre Leser auf eine Reise entführen – eine ganz persönliche: jene durch ihr Leben.


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