Flirrende Linien und Kochlöffel-Sarkophag in der In der Galerie Nothburga

In der Galerie Nothburga: Von Christine Ulm mit Gips umhüllte, inzwischen mumifizierte Zwiebel.
© galerie nothburga

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Die Ausstellung von Barbara Höller und Christine Ulm in der Galerie Nothburga zu versäumen, wäre schade. Doch wie lange dies angesichts eines drohenden Lockdowns noch möglich ist, ist die Frage – weshalb es jedem geraten sei, dies möglichst heute zu tun. Um in den Genuss von zwei künstlerischen Positionen zu kommen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und trotzdem wunderbar zusammenpassen.

Nicht zuletzt durch die überzeugende Authentizität in beider Denken und Machen. Die Wienerin Barbara Höller genauso wie die Steirerin Christine Ulm sind um die 60 und Absolventinnen der Wiener Angewandten. Dass Höller davor einige Semester Mathematik studiert hat, hat unübersehbare Spuren in ihrer Kunst hinterlassen, die als raffiniertes Spiel mit sich kreuzenden, die Bildfläche in den unterschiedlichsten Richtungen durchpflügenden Linien inszeniert ist. Doch so exakt, rein kopfgesteuert dieses vor monochromen Hintergründen zelebrierte Tun auch zu sein scheint, ist es doch ein Jonglierakt mit rinnender Farbe, wenn auch ein konzentriert gelenktes. Spannend wird es an den Kreuzungspunkten dieser Rinnsale, die zu kleinen Zonen flächiger Verdichtung werden, bevor sich die Linien aus ihnen wieder befreien. In einer Reihe anderer, mit dem Fineliner gezeichneter kleiner Arbeiten spielt Höller dagegen mit Op-artigen Effekten, indem sie die Linien augenreizerisch flirren, raffiniert vibrieren lässt.

Das absolute Kontrastprogramm zu dieser streng konzeptuellen Kunst ist die sinnlich geerdete von Christine Ulm. Die Vergänglichkeit ist ihr großes Thema, aufbereitet in vollendeter Poesie. Wenn die Künstlerin etwa Pflanzen auf Papiere legt und sie so lange der Sonne aussetzt, bis sie zwar selbst verdorrt, aber unauslöschlich ihre zarten Spuren auf diesen hinterlassen haben. Oder „Särge“ aus Gips für Pflanzliches baut, um sie dort „für ewig“ zu bewahren. Ulm hat aber auch sorgsam in Marmor gehauene kleine „Sarkophage“ mitgebracht, die sie für sie emotional besetzte Dinge wie den Kochlöffel ihrer Oma oder ihren eigenen Zopf von ehemals gebaut hat. Ein Memento Mori der ganz speziellen Art ist eine Hand aus Gips, die einen Haufen von Fingernägeln umklammert, von denen sich die Künstlerin offensichtlich nicht trennen will.

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