Rund 30 Jugendliche randalierten in Wiener Kirche

30 Jugendliche sollen Donnerstagabend in die katholische Kirche St. Anton von Padua in Wien-Favoriten eingedrungen sein und dort randaliert haben. Die Burschen schrien herum und traten gegen Sitzbänke, bestätigte Polizeisprecher Marco Jammer einen Bericht der Tageszeitung „Kurier“. Als sie Richtung Altarbereich gingen, rief der Pfarrer die Polizei. Daraufhin suchten die Jugendlichen das Weite. Verletzt wurde niemand. Teils scharfe Reaktionen gab es seitens der Politik.

Der „Kurier“ sprach von rund 50 Personen und dass Ermittler des Verfassungsschutzes davon ausgehen, dass es sich bei den Eindringlingen um eine Gruppe türkischer Jugendliche handelt, die sich zuvor über die sozialen Medien organisiert hatte. Festgenommen wurde niemand. Der gesamte Vorfall soll aber von einer Überwachungskamera aufgezeichnet worden sein, die nun ausgewertet wird.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) verurteilte die Vorkommnisse: „Wir lassen uns in Österreich das Recht auf freie Religionsausübung niemals zerstören und werden die christliche Gemeinschaft mit allen unseren Kräften schützen“, sagte Nehammer im „Kurier“. Er habe den Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit angewiesen, alle Polizeidienststellen zu sensibilisieren und den öffentlichen Raum insbesondere im Hotspot Favoriten verstärkt zu überwachen.

Der stellvertretende FPÖ-Bundesparteiobmann Manfred Haimbuchner sprach von einem „in höchstem Maß verwerflichen Sturm auf ein Kirche“. Für Haimbuchner ist das eine „Attacke auf unsere liberale Demokratie und unsere freiheitliche Gesellschaft als Ganzes. Nach einem solchen Angriff darf man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“ Haimbuchner stellte den Vorfall in eine Reihe mit der Enthauptung eines Lehrers in einem Pariser Vorort und dem Terrorakt in einer Kirche in Nizza, und meinte, das sei bereits der dritte Angriff auf die europäisch-abendländische Gesellschaft binnen weniger Tage.

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Nach der Attacke einer Gruppe Jugendlicher auf eine Kirche in Wien-Favoriten wurden 50 Exekutivbeamte zusätzlich für die Überwachung und Kontrolle des Hotspots Favoriten abkommandiert. Das teilte das Innenministerium am Freitagabend mit. Darüber hinaus laufe eine Gefahrenabschätzung des Verfassungsschutzes und darauf basierend sollen die Maßnahmen angepasst werden.

Nach den Terroranschlägen in Frankreich wurde in Abstimmungsgesprächen zwischen Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbkämpfung (BVT) und Einsatzkommando Cobra ein erhöhter Schutz französischer Einrichtungen und eine verstärkte Überwachung auf öffentlichen Plätzen angeordnet, teilte das Innenministerium weiters mit.

Ebenso wie Innenminister Nehammer verurteilte auch Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) die Attacke auf die Kirche und begrüßte die erhöhte Polizeipräsenz in Favoriten. „Parallelgesellschaften sind der Nährboden für Gewalt. Wir müssen jede Form von Extremismus und Islamismus schon von Beginn an bekämpfen, um Schlimmeres zu verhindern“, sagte Raab.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wandte gegen falsch verstandene Toleranz gewandt. „Alle Christen müssen in Österreich frei und in Sicherheit ihren Glauben ausüben können! Wir werden den Kampf gegen den politischen Islam entschieden weiterführen und hier keine falsche Toleranz zeigen“, schrieb Kurz auf Twitter.

Die Attacke auf eine Kirche in Wien-Favoriten ist auch für die Grüne Integrationssprecherin Faika El-Nagashi „inakzeptabel und gefährlich“. „Wir dürfen uns von desintegrativen Gruppen nicht spalten lassen. Bei jedem dieser Vorfälle muss unsere Antwort sein: mehr Zusammenhalt, mehr Zusammenarbeit, mehr Demokratie, mehr Emanzipation, mehr Bildung, mehr Gewaltprävention, mehr Pluralität“, sagte El-Nagashi gegenüber der APA.

Gewalt- und Aggressionspotenzial bei Jugendlichen werde durch jihadistischen Fundamentalismus und nationalistische Kampfrhetorik befeuert, meinte die Grüne Integrationssprecherin. Ansetzen will sie bei Gewaltprävention und bei Deradikalisierungsarbeit von allen Seiten, um dem islamistisch und nationalistisch begründeten, ideologischen Unterbau zu begegnen.


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