Gewaltsame Corona-Proteste in Italien und Spanien

In Italien und Spanien ist es bei Demonstrationen gegen neue Anti-Coronavirus-Maßnahmen zu schweren Ausschreitungen gekommen. In Florenz kippten Dutzende vermummte Demonstranten Müllcontainer um und griffen Polizisten mit Knallkörpern und Molotowcocktails an. Im Zentrum Barcelonas in Katalonien lieferten sich mehrere Hundert Menschen und die Polizei bis spät in die Nacht Straßenschlachten, wie die Zeitung „La Vanguardia“ und das staatliche Fernsehen RTVE berichteten.

In Florenz wurden zwölf Personen festgenommen. Dabei handelt es sich um Anhänger anarchistischer Gruppen, teilten die Behörden mit. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein. Zum Protest hatten diese auf Social Media aufgerufen. Aus Angst vor Verwüstungen im Stadtzentrum hatten Kaufleute ihre Shops schon am Nachmittag geschlossen.

„Es ist unannehmbar, dass einige gewalttätige Gruppen die Stadt verwüsten“, protestierte der Bürgermeister von Florenz, Dario Nardella. Die Stadt leide sehr unter der Krise. „Bisher hat es friedliche Demonstrationen gegeben, Gewalttätige müssen isoliert werden“, sagte er.

In Italien wächst der Protest gegen den „Mini-Lockdown“, den die Regierung am Montag verhängt hat. In mehreren Städten kam es in der letzten Woche zu teils gewaltsamen Protestkundgebungen. Die Demonstranten protestieren gegen die Schließung der Lokale um 18.00 Uhr, sowie gegen die Dichtmachung von Kinos, Theatern und Sportvereinen.

Auch in Spanien kam es zu gewalttätigen Demonstrationen gegen die neuen Corona-Beschränkungen. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie die Polizei in Barcelona mit Pflastersteinen beworfen wurde, Müllcontainer brannten und Barrikaden errichtet wurden. Medien berichteten auch von einigen geplünderten Geschäften, während Anrainer die Demonstranten von ihren Balkonen aus beschimpft hätten. Zwölf Menschen seien festgenommen worden.

Die Polizei machte vor allem rechte Hooligans von der berüchtigten Fangruppe „Boixos Nois“ (Verrückte Jungs) des Fußballvereins FC Barcelona für die Gewalt verantwortlich. Auch in anderen Städten wie Bilbao im Baskenland oder Burgos in Kastilien und Leon gab es Unruhen. In der Stadt Vilafranca del Penedes im Süden Kataloniens hätten 120 junge Leute „Freiheit“ von den Corona-Maßnahmen gefordert und versucht, das Rathaus zu stürmen, schrieb „La Vanguardia“.

Spanien ist eines der von der Coronakrise am schwersten getroffenen Länder Westeuropas. Am Donnerstag hatte das Parlament der Verlängerung des Alarmzustandes - der dritthöchsten Notstandsstufe - bis zum 9. Mai zugestimmt. 13 der 17 autonomen Gemeinschaften, die in etwa deutschen Bundesländern entsprechen, riegelten ihr Territorium für bis zu zwei Wochen ab.

In Katalonien dürfen die Menschen an den Wochenenden ihre Heimatorte nicht mehr verlassen. In vielen Städten wie etwa in Barcelona gelten nächtliche Ausgangssperren. Gaststätten, Kinos, Theater und Fitnessclubs sind geschlossen, nur Kindergärten und Schulen sind weiter offen.


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