Von 1,43 Milliarden auf 966 Millionen: Hintergrund zu „Pfons-Brenner“

Hat die Porr bei „Pfons-Brenner“ mit zu viel wiederverwertbarem Material für die Betonproduktion kalkuliert?

Nicht nur im Tunnel muss noch viel gebaggert werden, auch auf die Gerichte kommt im Streit um den Brennerbasistunnel noch viel Arbeit zu.
© Rudy De Moor / TT

Innsbruck – Nach der Vertragsauflösung wird es wohl ein brisanter Rechtsstreit werden, der sich zwischen der Brennerbasistunnelgesellschaft BBT SE und der Arbeitsgemeinschaft rund um den österreichischen Baukonzern Porr ankündigt. Schließlich geht es um ein Auftragsvolumen von 966 Millionen Euro für den Bau des Herzstückes „Pfons-Brenner“ beim Brennerbasistunnel. Über die Gründe der Vertragsauflösung wurde in den vergangenen Tagen viel spekuliert. Doch zuletzt verdichteten sich Gerüchte, dass sich die Auffassungsunterschiede zwischen BBT SE und Porr zwar an der Stärke der Außenschalen für die Tunnelröhren (Tübbinge) entzündet haben, doch eigentlich viel tiefer liegen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Zum einen bei der Art des Vortriebs. Offenbar wollte die Porr vor allem auf den klassischen Sprengvortrieb setzen und weniger als vier Tunnelbohrmaschinen zum Einsatz bringen. Das hätte natürlich einiges an Geld gespart. Schließlich dürften alle fünf Anbieter bei der Ausschreibung an ihre finanziellen Grenzen gegangen sein. Und das verwundert nicht.

Denn ursprünglich hat der BBT-Aufsichtsrat das Baulos, das u. a. aus rund 15 Kilometern Haupttunnel pro Röhre sowie dem Erkundungsstollen besteht, mit einer Ausschreibungssumme von 1,435 Milliarden Euro genehmigt. Schlussendlich wurde es dann mit 1,28 Milliarden ausgeschrieben, das günstigst­e Angebot lag dann bei 966 Millione­n Euro. Die Kriterien waren 70 Prozent Preis, acht Prozent Bauzeit und 22 Prozent Qualität.

Obwohl die Porr einen Zusammenhang mit der Wiederverwertung des Tunnelausbruchsmaterials verneint, so wird auch darüber intensiv spekuliert. Offensichtlich hat die Porr deutlich mehr wiederverwertbares Material als ihre Mitbewerber angegeben, das sie im Rahmen der Betonproduktion u.a. für die Tübbinge verwenden wollte. Dadurch wird der teure Materialzukauf reduziert. Doch wie es sich die ARGE vorgestellt hat, soll es dann aber qualitätsmäßig nicht gepasst haben. So hält auch die BBT SE ausdrücklich fest, dass es sich nicht um Probleme technischer Natur, wie das angesprochene Tübbingsystem, handelt.

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Die BBT SE vertraut deshalb im Streit mit der Porr auf alle von ihr in der Ausschreibung beigefügten statischen Berechnungen, außerdem hätte alles eingehend besichtigt werden können, heißt es.

Wie könnte trotz der Verzögerung durch den Baustopp „Pfons-Brenner“ der Zeitverlust für die Fertigstellung des Tunnels so gering wie möglich gehalten werden? Möglicherweise werden bei der Neuausschreibung zwei Baulose zusammengezogen. (pn)


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