Internationale Film Festival Innsbruck: Kraftakt gegen doppeltes Pech

Das Internationale Film Festival Innsbruck wurde wegen Corona auf November verschoben – und kann nun doch nicht stattfinden. Zwölf Festivalfilme sind ab heute online abrufbar.

Anna Ladinig ist seit Anfang 2020 Direktorin des Internationalen Film Festivals Innsbruck. Ihr erstes Festival findet wegen des Veranstaltungsverbots nur online statt.
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck – Die Viennale hatte Glück. Das Wiener Filmfestival ging am Sonntagabend – gut 24 Stunden vor Inkrafttreten der jüngsten Seucheneindämmungsmaßnahmen – zu Ende. 42.000 Besucherinnen und Besucher wurden an elf Festivaltagen gezählt. Bislang bekannte Corona-Cluster: null.

Das Internationale Film Festival Innsbruck (IFFI) hatte bislang weniger Glück. Zunächst wurde die 29. Auflage des größten Kinofestivals Westösterreichs im Frühjahr auf Anfang November verschoben. Nun fällt das IFFI, das heute Abend mit dem algerischen Spielfilm „143 Rue du désert“ im Leokino eröffnet werden sollte, dem neuerlichen Veranstaltungsverbot zum Opfer.

Kurzfristiges Um- und Neudenken ist nun Tagesgeschäft

Festivaldirektorin Anna Ladinig übt sich notgedrungen in Galgenhumor. „Unsere zweite Punktlandung“, sagt sie. Ladinig leitet das traditionsreiche Festival seit Anfang des Jahres. Kurzfristiges Um- und Neudenken gehört für sie und ihr Team seither zum Tagesgeschäft: Zweimal wurden Film- und Diskussionsveranstaltungen, Raum- und Zeitpläne sowie Gästelisten an die jeweils geltenden Vorgaben angepasst. Zweimal ein inhaltliches und grafisches Konzept entwickelt, das Filmkunst abseits gängiger Kino-Konfektion vermitteln soll. Und zweimal Sicherheitsmaßnahmen erprobt, die auch in pandemischen Zeiten Kinobesuche ermöglichen. Finanziell war die doppelte Vorbereitungsarbeit ein Kraftakt. Die öffentliche Hand – Stadt, Land und Bund – fördern das Festival mit rund 145.000 Euro. „Uns wurde zugesichert, dass wir nicht auf etwaigen Schulden sitzen bleiben“, sagt Ladinig.

Erst vor wenigen Tagen ging das Programmheft für das 29. IFFI in Druck. Mittlerweile wurde es versandt und liegt in Geschäften auf. Seit Ende Oktober bewerben Plakate ein Festival, das nun doch nicht stattfinden kann.

„Natürlich ist das schmerzhaft“, sagt Anna Ladinig. Aber gerade das Programmheft sei auch ein sichtbarer Nachweis, dass in den vergangenen Monaten intensiv gearbeitet wurde – „und ein Zeugnis, was das Festival hätte sein sollen“.

Auch auf die zuletzt immer wahrscheinlicher werdende Absage des Festivals als Präsenzveranstaltung habe man sich vorbereitet, sagt Ladinig. „Bis zur Pressekonferenz der Regierung am Samstag haben wir gehofft, dass wenigstens der Eröffnungsabend stattfinden kann, jetzt greift Plan C“, ergänzt sie. Nun hält Anna Ladinig ihre erste Eröffnungsrede als Videobotschaft, die ab heute, 18 Uhr, auf www.iffi.at online geht. Auch ein Teil des heurigen Filmprogramms ist dort bis Sonntag, 8. November, abrufbar. Der virtuelle Festival-Pass für die zwölf Filme kostet 50 Euro. Bereits gekaufte Kinotickets werden refundiert.

"Erleben vor Ort lässt sich im virtuellen Raum nicht simulieren“

„Es ist mir wichtig, dass ein Ausschnitt des Programms in dieser Form gezeigt werden kann. Wichtiger ist mir aber, dass es nur ein Ausschnitt ist: Streaming kann keine Alternative zur echten Kinoerfahrung sein. Das Erleben vor Ort lässt sich im virtuellen Raum nicht simulieren“, so Ladinig. „Trotzdem hat das Festival auch eine Verantwortung den Filmemacherinnen und Filmemachern gegenüber, deren Arbeiten sonst in Österreich vielleicht gar nicht gezeigt werden können.“ Daher werden auch die beiden Hauptpreise des Festivals – der Spielfilmpreis des Landes Tirol (5500 Euro) und der Dokumentarfilmpreis der Stadt Innsbruck (3000 Euro) – vergeben. Die jeweiligen Fachjurys beraten sich online. Die Preisträger werden Ende der Woche bekannt gegeben.

Es sei denkbar, dass Teile des für heuer geplanten Programms beim IFFI 2021, das voraussichtlich Ende Mai stattfinden soll, nachgeholt werden, sagt Anna Ladinig. „Vielleicht können wir wenigstens die Siegerfilme nach der neuerlichen Wiedereröffnung der Kinos angemessen präsentieren.“ Darüber spekulieren, wann das der Fall sein könnte, mag die 31-Jährige aber nicht. Die ­vergangenen Wochen hätten gezeigt, dass man derzeit keine Prognosen wagen sollte. Klar sei allerdings, dass „Kinobesuche ohne ­Sicherheitsvorgaben und Beschränkungen auch 2021 kaum vorstellbar sind.“ (jole)


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